Frühere Annahme 600 Jahre Neustift im Felde 1399-2009

diese Feststellung muss mittlerweile als veraltet angesehen werden durch die umgangreiche Nachrecherche durch unseren Heimatforschers Andreas Nowotny

In der Festschrift "Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram"
herausgegeben 1993 von der Marktgemeinde anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Verleihung des Marktrechtes durch Kaiser Friedrich III. im Jahr 1493", verfasst durch Prof. Dr. Richard Hübl, wird die schriftliche
Ernennung des Dorfes Neustift im Felde als "Neu'nstift"
im
"Historischen Ortsnamensbuch von Niederösterreich" von H. Weigl dem
Jahr 1399 zugeschrieben. Demnach ist zumindest das Jahr 1999, der
zumindest 600jährige Bestand Neustift im Felde gesichert.

Die Zeit vor der Gründung von
Neustift im Felde deren Geschehnisse sich auf die Bewohner ethnisch und
politisch auswirkten

Neustift im Felde liegt an der Feldebene des von Norden zur Donau hin treppenartig abfallenden Tullnerfeldes, am "Niederwagram", der durch die
zwischeneiszeitliche Donau etwa während der letzten 5000 Jahre geschaffen wurde. An diesem Platz kreuzte der Handels- und Salzweg von "Sigmares Weride" das heutige Altenwörth an der Donau nach Böhmen und Mähren dieser Weg wurde später "Lodersteig" genannt und den "Leeweg" der später als "Ochsenstraße" bezeichnet wird. Dieser ist ein uralter Weg der Donau von Ost nach West an dem auch ein keltischer Grabhügel aus der Hallstattzeit ca. 750 v. Chr. - 800 v. Chr. liegt. (MEHR DAZU UNTER PROFESSOR LUDWIG PIFFL - Forschungen von Ludwig Piffl) Von dem Haleberg auch manchmal als Hleoberg oder Leeberg bezeichnet stammt der Name Leeweg, der sicher auch während der Völkerwanderung benutzt wurde. Es ist daher anzunehmen dass Neustift zu dieser Zeit größtenteils als Feld gedient hat, da dieses aufgrund der höheren Lage früher von der Donau freigegeben wurde, als die südlich des Niederwagrams liegenden Flächen, zwar noch von wasserführenden schiffbaren Donauarmen durchzogen, denn einer dieser Arme führte östlich des Haleberges in nordöstliche Richtung. Östlich von Neustift kreuzte der sogenannte "Winkler Weg".

Nach Prof. Ludwig Piffl's Darstellung wurde Neustift im Felde nach schweren Hochwasserschäden der Dörfer Hanifeld= Altendorf? oder hat es beide Orte gegeben wie von meiner Großmutter erwähnt? Für beide Orte würden die Jahreszahlen sprechen, wenn es jedoch nur einen Ort davon gegeben hätte dann müsste Neustift schon früher Bestand gehabt haben, denn wo wären die Menschen sonst hingegangen? Der Bestand von Parz ist unbestritten. Ich gehe also davon aus, dass es alle drei Orte gegeben haben muss, denn das deckt sich auch mit den Jahreszahlen der bestandenen Dörfer also: Hanifeld, Altendorf und Parz.

Alle drei Orte wurden durch Überschwemmungen in den Jahren 1316 Hanifeld , 1399 Altendorf und 1548 Parz von der Donau dem Erdboden gleichgemacht. Neustift wurde daher im Jahr 1399 auf einem von Hochwasser sicheren Ort neu gestiftet.

Ein wichtiger Umstand für die Möglichkeit der Gründung eines Dorfes an dieser Stelle war, dass hier die Versorgung mit Wasser gegeben war, die in allen umliegenden, früher gegründeten Dörfern durch Quellen, Bäche, Flüsse, Donauarmen oder der Donau selbst gegeben war. Diese Umstände kamen jedoch nicht in Betracht. Es musste daher ein Brunnen gegraben werden. Wusste man zu dieser Zeit schon über das Vorhandensein von Grundwasser Bescheid? Vielleicht war auch vorher die Versorgung lediglich durch Teiche gegeben, die durch den Aushub von Baumaterial (Lehmgruben) entstanden waren. Professor Ludwig Piffl erzählte in
der Schule, dass in der Dorfmitte unterhalb des Feuerwehrhauses ein Teich bestand (heute steht hier die Bushaltestelle und Bäume). An die sogenannte "Schneiderlacke" im Ostteil des Dorfes können sich heute noch einige Menschen erinnern. Weiters gab es eine Grube an der Ochsenstraße etwa 200 Meter östlich des Haleberges. War diese Grube die Wasserversorgung von Parz nachdem die Donau den Ort wieder freigab und dieser Donauarm daher ausgetrocknet war?
Eine Sage erzählt darüber diese Grube aber etwas anderes: Dort starb in
Vorzeiten ein Heerführer, der unter dem Haleberg begraben wurde. Jeder Soldat nahm aus dieser Grube einen Helm voll mit Erde und entleerte ihn über dem Grab und so soll der Haleberg entstanden sein.

In früheren Jahren spiegelte sich ein gewisser Gegensatz zwischen den vom Anger westwärts wohnenden "Oberörtlern" und den östlich des Angers ansässigen "Unterörtlern" wider. Es wird vermutet, dass die Bewohner von Hanifeld und Altendorf sich westwärts des Angers ansiedelten und die Bewohner von Parz erst 1548 sich ostwärts des Angers niederließen.

In den Jahren 1316/1317 hat es in Österreich eine schwere Hungersnot gegeben, die durch Regengüsse und Überschwemmungen verschärft wurde, wie die Landeschronik Niederösterreich berichtet. Im Jahr 1316 verlangte auch der Herzog von Österreich, der Habsburger Friedrich I. , der Schöne von deinen Untertanen eine Eidesstattliche Erklärung über das Vermögen seiner Untertanen und hebt den 10. Teil davon als außerordentliche Steuer ein.

Weitere Katastrophenjahre waren:

1338: große Heuschreckenplage

1342: gewaltige Überschwemmungen der Donau nach einem Winter mit starken Schneefällen

1348: das schwerste Erdbeben, das in Österreich jemals verzeichnet hat, bringen Hungersnöte über das Land.

1349: Der "Schwarze Tod", die Beulenpest entvölkert ganze Landstriche,

Judenverfolgung (man schob das Ausbrechen der Krankheit auf die Juden) und Geißlerfahrten (waren Gerüchte und Nachrichten selbst die schneller als die Krankheit vordrangen und so Angst und Schrecken verbreiteten) setzten ein. Der Wohlstand im Land wurde dadurch um Jahre vernichtet. Die Bevölkerungszahlen sanken rasch nach unten, ganze Ortschaften sind zu dieser Zeit menschenleer.

Es gibt auch positives zu berichten:

1354: wird ein besonders ertragreiches Weinerntejahr für Österreich.

1399: wird in den Annalen eine Fehde des Adels von Mähren und Österreichs genannt. Das nördliche Österreich wird dadurch total zerstört noch dazu kommt die nächste Hochwasserkatastrophe, welche nun auch die Altendorfer Bevölkerung zwingt sich eine neue Heimat zu suchen daher

1399: Gründung vom heutigen Neustift im Felde

Juni 1402: Durch ein gewaltiges Hochwasser der Donau werden Krems an der Donau, die Wachau, das Tullner Feld und das Marchfeld 10 Tage lang überflutet. Das Wasser steht nun so hoch, dass die Donau an manchen Stellen eine Meile (=ca. 7 km) breit ist. Im folgenden Jahr wird dadurch eine gewaltige Teuerung ausgelöst.

1408: Ein besonders schneereicher Winter. Die Donau kann in diesem Jahr mit beladenen Heuwagen überquert werden.

1590/1591: wurde im Auftrag der Stände von Niederösterreich ein sogenanntes "Bereitungsbuch" geschaffen, das zur Erfassung des Steuerpotentials der Grundherrschaften diente. In diesem Buch ist Neustift mit 55 Häusern angegeben.

Hochwasser: “Am 14. September 1899 traten infolge ununterbrochener Regengüsse in ganz Österreich die Donau und der Kamp aus u. überfluteten ganz Winkl und Altendorf (der südliche Teil der Freiheit Neustift) wie im Jahre 1897. und vernichtete die herrlichsten Futterpflanzen. Winkl musste von den Neustiftern mit der Zille samt ihrem Viehstande nach Neustift überführt werden. Diese gefährliche Arbeit dauerte 3 Tage (Freitag, Samstag u. Sonntag) von 15., 16. u.17. September.”1)



Frz. Walzer :/ ein Feuer aus, das das Dachwerk der Wohnung u. Stallung einäscherte. Die erste Hilfe leisteten die Dorfbewohner mit der Gemeindespritze. Im Augenblicke höchster Gefahr für die Häuser 45, 47 u. 68 erschien Kollersdorf – dazu Kirchberg, Altenwörth, Bierbaum und Winkl.”1)

Gemeindewahlen:
In den Gemeindeausschuss wurden im Herbst 1900 (Oktober) gewählt: Schuster Josef - Bürgermeister, Zimmermann Josef -1.Gemeinderat, Walzer Josef  - 2.Gemeinderat, Bierbaumer Franz - Kassier, Ott Franz Nr.48, Zimmermann Michael, Söllner Josef, Nr. 67, Lang Anton”.1)

Schadenfeuer: Am 28. Oktober 1903 brach im Hause Nr. 44 ein Feuer aus, welches das Dachwerk des Wohnhauses in Asche legte....”1)

Kinderfest: “Am 29. Juli d. J. (1904) fand im Gasthofe des Herrn Franz Walzer in Neustift ein Kinderfest statt, welches über Anregung des Schulleiters Adalbert Hirsch vom hiesigen Ortsschulrate unter Mitwirkung der Herren Lehrer von Kirchberg, Altenwörth, Winkl, Bierbaum, Utzenlaa und Kollersdorf, der Herrn Beamten Pimmer u. Roskopf, sowie die Herren Zehetner (Winkl), Laiminger (Kirchberg) u. Fischer (Gigging) veranstaltet wurde.”1)

Gemeindewahl: “In den Gemeindeausschuss wurden im Herbst 1906 gewählt: Schuster Josef Bürgermeister, Detter Anton 1. Gemeinderat: Walzer Josef 2. Gemeinderat:Bierbaumer Franz Kassier, Söllner Josef Nr. 67, Hirsch Adalbert, Wagensonner Anton, Walzer Franz alle in den Ausschuss .”1)



1908 Kaiser-Jubiläums-Eiche: Dieselbe steht an der Westseite des Schulhauses und wurde aus Anlass des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät Kaiser Franz Joseph vom Herrn Bürgermeister Josef Schuster und vom Schulleiter Hirsch gesetzt”.1)

Gemeindewahl 1912: In den Gemeindeausschuss wurden im September 1912 gewählt: Zehetner Johann (Bürgermeister), Daschütz Josef, (1. GR.), Schabl Anton (2. GR.),Weidinger Anton (Kassier), Schmit Michael, Schaller Theodor, Walzer Franz,Blauensteiner Franz, Söllner Johann (Ausschüsse)”.1)

Ermordung des Thronfolgers: Am 28. Juni 1914 wurde Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este und höchst dessen Gemahlin, Herzogin von Hohenberg, von einem serbischen Studenten erschossen”.1)



Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli 1908. Ausbruch des 1. Weltkrieges.



Sammlungen: Am 6.9.1915 Sammlung von Brennesseln, am 10. u. 11. 1. 1916 wegen Getreideaufnahme schulfrei, am 1.5.1916 Sammlung fürs Rote Kreuz, am 13.6.1916 Woll- und Kautschuksammlung”.1)

Kriegsgefangene: Im neuen Spritzenhause der freiwilligen Feuerwehr wurden Mitte Mai 1915 20 kriegsgefangene Russen untergebracht. Gutmütige, starke Leute, sehr religiös, sehr sangeslustig. Diese helfen unseren Ortsbewohnern bei der Feldarbeit und fühlen sich bei uns ganz wohl”.1)

"Der Kaiser tot! Seine Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät, Kaiser Franz Josef I. ist Dienstag, den 21. November 1916, 9 Uhr abends, im Schlosse Schönbrunn gestorben.

Wir werden das Andenken dieses gütigen Monarchen ehren und hochhalten durch unsere Pflichterfüllung und unverbrüchliche Treue gegen Herrscherhaus und Vaterland.

Am 1. Dezember 1916 fand in der Pfarrkirche zu Kirchberg ein Trauergottesdienst für den verstorbenen Kaiser statt, an welchem sämtliche Schulen der Pfarre Kirchberg am Wagram teilnahmen”.1)



“Am 1. Dezember 1916 wegen der Einnahme Bukarests schulfrei. Einzelne Häuser beflaggt.



Vom 30.5. bis 2.6.1917 Aufnahmen zur Erntestatistik bei heißer Witterung. Durch Mäuseplage schlechte Ernteaussichten.“1)

“Sonntag, den 10.7.1917, 3 Uhr nachmittags, brannte die Scheune der
hiesigen
Wirtschaftsbesitzerin Stefanie Bierbaumer nieder. Der Brand, durch spielende Kinder verursacht, wurde in 2 Stunden von der Ortsfeuerwehr gelöscht”.1)

Im Jahre 1917 wenig Brot, vorzüglicher Wein. Am 5. 11. Viehzählung, am 13. 11. Kartoffelaufnahme, daher schulfrei”.1)

“Im Frühjahr 1918 kamen 5 kriegsgefangene Italiener nach Neustift. Gebildete Leute, stärker, zur landw. Arbeit unfähig”.1)

“In der zweiten Oktoberhälfte 1918 Zerfall des Reiches und der Armeen. Am 3. November Waffenstillstand an der italienischen Front. Die kriegsgefangenen Russen und Italiener verlassen den Ort. Alle größeren Verbände lösen sich auf. Der Krieg ist aus, alles eilt in die Heimat zurück.

Von den Kriegern unserer Ortsgemeinde fielen im Kampfe fürs Vaterland 6, u. zwar: Maringer Josef + 1914, Grill Michael + 1915, Oswald Josef + 1915, Wagensonner Ludwig + 1915, Gerner Johann + 1916, Stubaum Johann + 1916 - Vermisst seit 1918 werden 2: Weiß Josef und Tampermeier Franz. - Ehre ihrem Andenken!”1)

“Am 21.10.1918 vorbereitende Nationalversammlung in Wien, am 31.Oktober Übernahme der Staatsgewalt in Deutschösterreich durch die neue Regierung, am 11. November tritt Kaiser Karl von der Regierung zurück, am 12. November Errichtung der Deutschösterreichischen Republik.

Der Friede steht vor der Türe, aber ernste Nahrungssorgen bedrücken uns. Die Lebensmittel sind knapp. Wien hungert! Die Zuführungen aus den slawischen Nachbarstaaten und aus Ungarn stocken. Deutschösterreich muss sich selbst erhalten. Die Versorgung der Stadt Wien mit Milch ist derart gesunken, dass nicht einmal Säuglinge u. Schwerkranke die unbedingt notwendige Milchnahrung mehr erhalten können. Zahlreiche “Hamsterer” beleben unsere Ortschaft. Die Lieferungen sind auf die Hälfte der bisher erreichten Menge zurückgegangen.

Die Ruhe, Ordnung u. Sicherheit im Lande ist schwer bedroht. Einbrüche u. Brandlegungen stehen auf der Tagesordnung. Alles sucht um Waffenpässe an. Häufige Schießereien mit Dieben und Einbrechern. Bildung von “Platten” in der Nachbarschaft. Unser wackerer Ort bewahrt Ruhe und Ordnung.”1)

“Am 20.5.1919 Gemeinderatswahl: Bürgermeister: Schuster Josef, Vizebürgermeister Berthiller Leopold, Gemeinderäte: Schabl Anton, Weidinger Anton, Ott Johann, Berthiller Josef, Kolm Franz, Oswald Franz, Walzer Leopold, Hummer Leopold”.1)

Am 1.9.1919, 1 Uhr früh, brannte die Scheune der Frau Katharina Wagensonner, Neustift i. F. Nr. 43, wieder. Am Brandplatze erschienen die Feuerwachen Neustift, Winkl, Altenwörth, Kollersdorf und Engelmannsbrunn.1)

“Am 10. Februar 1920 legte Bürgermeister Josef Schuster aus
Gesundheitsgründen
sein Amt nieder. Bei der darauffolgenden Ergänzungswahl wurde Leopold Berthiller zum Bürgermeister,Josef Schuster zum Vizebürgermeister gewählt”.1)

“Im Jahre 1920 brach hier eine schwarze Grippeepidemie aus, die mehrere Todesopfer erforderte”.2a)

Vom 12. Februar bis Anfang März 1920 wurden in unserer Gemeinde 23 Wiener Schulkinder, durchwegs Mädchen, kostenlos verpflegt. Die Kinder besuchten auch fleißig die Schule, waren sehr brav u. schieden mit schwerem Herzen von ihren Wohltätern”.1)

“Am 30.9.1920 wurde in der Gemeinde Neustift i. Felde das 25jähr. Dienstjubiläum des Schulleiters A. Hirsch des Älteren mit einem Fest begangen”.1)

Bild aus der Schulchronik 2 Teil Geschichte / Foto: Andreas Nowotny

Mai 1925: “An Stelle der Lacke unterhalb des landw. Kasinos wurde eine Zisterne im Fassungsraum von 40.000 Litern errichtet. Man plant rundherum, sowie den ganzen Platz parkmäßig anzulegen”.1)

“Im Sommer 1925 wurde die Dorfstraße kanalisiert, Kostenaufwand rund 3800 Schilling, wovon die Hälfte der Straßenausschuss für NÖ. deckte”.1)

“In Herrn Wagensonner‘s Gasthaus im beschränkten Saale gaben die Schulkinder am 18. u. 26. Dezember 1928 eine Weihnachtsaufführung. Selbe wurde hauptsächlich vom Dorfe besucht u. erbrachte einen Reinerträgnis von öS 132,--. öS 32,-- wurden zur Ergänzung der Kinderbücherei verwendet.

Im April 1928 wurde aus den Kindergeldern (öS 150,--) eine komplette Theaterbühne, 5m x 4m, samt Türen und Vorhang angeschafft. Die Bühne gehört den Kindern und das Verfügungsrecht darüber hat nur der jeweilige Schulleiter.

Der im Jänner 1928 gegründete Theaterverein lieh sich diese Bühne bei seinen Aufführungen aus. Geld wurde dafür keines gegeben, da der Theaterverein fürs erste sämtliche Schmiedearbeiten u. Eisenwaren, die die Anschaffung sonst gefährdet hätten, übernahm”.1)

“Im April 1928 wurden die Kirschenbäume von der Dorfecke bis zum Gasthaus Walzer gepflanzt.
Ebenso die auf der ehemaligen Lacke ostwärts vom Kasino”.1)

Das Thermometer stand in der Nacht von 11. auf 12. Juni 1928 5° Celsius unter null. Das Wasser war gefroren. Der Frost hatte noch die Folge, dass sämtliches Korngetreide bis zu 90 % vernichtet war.

Der Bauernstand war so verzweifelt, dass er sogar das Kirchweihfest nicht halten wollte”.1)

“Der im Jänner 1928 gegründete Theaterverein hatte bei seiner Aufführung im Juli derartige Erfolge, dass er bei 500 Besuchern aufwies. ( Die Wildkatz vom Hollergrund, I. Wrechart.)

Im Jänner 1929 wies der Theaterverein bereits 24 Mitglieder auf von 14 Gründungsmitgliedern.

Seine Aufführung im Mai wies 600 Besucher auf, er hatte also in 2 Jahren bei 4 Aufführungen, das heißt pro Aufführung und Wiederholung 1100 Schilling umgesetzt (2. Aufführung S´Lieserl vom Schliersee)”.1)

Der Theaterverein feierte auch späterhin tolle Erfolge, bis zu 784 Besucher.



“Im Herbste 1929 Verhandlungen mit der Postdirektion Wien zur Errichtung einer Telefonstelle bei Herrn Leopold Walzer. Das Geld wurde bereits eingezahlt und wurde so aufgebracht, dass ein jeder Nutznießer an Gemeindegründen pro Teil 5 Schilling zu bezahlen habe, darüber Steuern in der Gemeinde, denn zahlen will der Neustifter sehr ungern. Daher Hauptangriffe Gegenstand anlässlich der im Herbste stattfindenden Gemeinderatswahlen: Die Waschküche. Redensarten: “Ihre Weiber hätten auch keine Waschküche”.1)

“Es bildete sich sofort eine Oppositionspartei, die bei den Wahlen, die am 10. November 1929 stattfanden, die Macht an sich zu reißen suchte, doch vergebens: Von 11 Mandaten erreichten sie 2 Mandate.

Bei der am 24. Nov.1929 stattfindenden Wahl des Bürgermeisters wurden gewählt: Bgm. Hr. Josef Berthiller, Vbgm. Leopold Walzer, zum Kassier Hr. Josef Zehetner”. 1)

“Der Winter 1929/30 ist außerordentlich milde. Fast immer nur Frühlings- oder Herbsttemperatur . Der Februar hat dann ein wenig Wintercharakter”.1)

“Bei den am 9.11.1930 durchgeführten Wahlen in den Nationalrat kamen
in der Gemeinde Neustift im Felde von 243 Wahlberechtigten 201 gültige
Stimmen zur Abgabe. Es entfielen auf die Christlichsoziale Partei 154,
Sozialdemokraten 23, Nationalsozialisten 12, Heimatblock 9, Nationaler
Wirtschaftsblock und Landbund 3 Stimmen.”1)



“Im Winter 1930/31 Schweinepest, Maul- und Klauenseuche, Ortssperre

Im nebeligen Herbst brach eine eigene Erkrankung unter den Schweinen aus, die man Schweinepest nannte.
Ein richtiges Gegenmittel gab es nicht. Impfen tat gut. Die Bauern erlitten
furchtbare Einbußen am Schweinestand. Für spätere Zeiten dürfte von Wichtigkeit sein, dass die Krankheit fast gar nicht von Menschen übertragen werden konnte, sondern vielmehr von den Ratten verschleppt wurde, die bekanntlich die Bazillenträger aller Pesterkrankungen sind. Erst wie man daran ging, durch Rattengift die Tiere zu dezimieren, starb die Krankheit aus. Sie dauerte bis Mitte April. Während dieser Zeit hatte die Ortschaft Ortssperre.

Zur selben Zeit trat in manchen Häusern die Maul- und Klauenseuche bei den Rindern auf. Dieser Winter war ein harter Winter für den Bauernstand”.1)

“Für Sonntag dem 3. Juli 1932 wurde eine Ausstellung von Schülerarbeiten vorbereitet. Arbeiten in allen Fächern des Unterrichts, Zeichnungen, Laubsäge- und weibliche Handarbeiten.
Die Ausstellung ist als gelungen anzusehen, sie wirkte wie eine Bombe und wies einen Rekordbesuch auf”.1)

“Am 2. August 1932 abends ½ 9 brach ein furchtbares Hagelwetter nieder, das die Weinkulturen bis zu 90 % vernichtete. Im Gasthausgarten Josef Bernhard, Neustift 71 (nunmehr Bahnstraße 42, Neustift im Felde) riss der Lichtdraht und die Tochter Anna, ein 13jähriges Mädchen kam mit dem Fuße an. Sie brach zusammen und starb um 1 Uhr nachts im Krankenhause Krems, wohin man sie überführt hatte”.1)

1932 Adalbert Hirsch d. J. erfasst die Schulchronik 2, Teil Geschichte: über Bodengestalt, Gewässer, klimatische Verhältnisse schreibt er:

“Neustift im Felde liegt, wie schon der Name sagt, in der Ebene zwischen dem Donaustrom im Süden und dem Wagram im Norden. Der Ort liegt 182 Meter über dem adriatischen Meere und ist 3,7 Kilometer von der Donau entfernt und 2,8 Kilometer vom Wagram andererseits entfernt.

Der südliche Teil des Gemeindegebietes gehört dem danubischen Alluviallande, der nördliche Teil dem eiszeitlichen Schotter und Lehm der Niederterrasse an. Der ebene Boden senkt sich langsam von Norden nach Süden und ist mit Feldern, Wiesen und Hutweiden bedeckt. Das Gemeindegebiet misst 771 Hektar. Davon entfallen 7,54 km² auf das
produktive Areal. auf Feld 7,15 km², auf Garten 0,0683 km², auf Hutweide 0,16 km².

Die Ortsfreiheit berührt im Umkreise die Gemeindegebiete: Kirchberg am Wagram, Unterstockstall, Bierbaum, Frauendorf, Winkl, Gigging, Altenwörth, Kollersdorf, Mallon und Dörfl.
Der südliche, gegen Gigging gelegene Teil der Freiheit, Altendorf genannt, gehört zum Donauüberschwemmungsgebiete. Das Dorf selbst liegt außer jeder Überschwemmungsgefahr.

Der Grundwasserspiegel liegt bei der hohen Durchlässigkeit des Schotters ziemlich tief.

Diesem Umstande ist es zuzuschreiben, dass die Bächlein, die vom Wagram kommen, weit nördlich der Ortschaft versiegen. In der Ortschaft selbst befinden sich 2 “Dorflaken”, welche bei Regengüssen das Wasser aufnehmen. Die eine befindet sich am Ostende des Dorfes. Zu dieser führen Kanäle, die andere am Westende. Im Jahre 1924 wurde die Lacke neben dem landwirtschaftlichen Kasino zugeschüttet”. 2a)

“Am Montag d. 3. Okt 1933 wurde auf Bundeskanzler Dr. Dollfuß ein Revolverattentat verübt. Dr. Dollfuß wurde leicht verletzt. Anlässlich der Errettung des Kanzlers aus der Todesgefahr wurden in ganz Österreich Dankgottesdienste abgehalten. Der Dankgottesdienst für unsere Pfarrgemeinde war am Sonntag, den 8. Okt.  Anschließend fand in Kirchberg eine “Vaterländische Kundgebung” statt. Am Nachmittag
wallfahrte die Pfarrgemeinde zur Lourdes Kapelle nach Altenwörth.

Die durch das Betätigungsverbot der Nationalsozialisten im Juni 1933 geschaffene außergewöhnliche Lage verschärft sich immer mehr. Im ganzen Reiche wurden geheim Papierböller zur Explosion gebracht, Anschläge auf Eisenbahnstrecken und Lichtleitungen verübt, unausgeforschte Täter hissen unter Tage Hakenkreuzfahnen mit automatischen Abrollungen (so z.B. auf dem Rathaus in Wien) und anderen. Auch in unserer Gegend beginnt sich derartige Propaganda zu betätigen.

Am 9. Nov. nachts wurden an den meisten Kriegerdenkmälern der Ortschaften Kränze mit Hakenkreuzschleifen niedergelegt und am Sonntag den 12. November 1933 in Absdorf auf dem Rathausturm eine Hakenkreuzflagge gehisst. Diese dauernden Unruhen, sowie befürchteter
Sozialdemokratischer Ausschreitungen am 12.11. veranlasste die Regierung bis auf weiteres das Standrecht zu verlängern und die Todesstrafe einzuführen (10.11.1933). Es werden Lager für politische Häftlinge eingerichtet, für Niederösterreich und Wien in Wöllersdorf. In Neustift, wie im Gerichtsbezirk herrscht Ruhe. Über Beschluss der
Bischöfe Österreichs vom 5.12.1933 haben die katholischen Priester, die
sich in der christlich-sozialen Partei parteipolitisch betätigen, ihre Mandate niederzulegen und jede Tätigkeit für Parteien zu unterlassen. Die Tätigkeit für die “Vaterländische Front”, Obmann: Leopold Berthiller. Hr. Kooperator Hutter gründete einen katholischen Burschenverein (Aug. 1933)”. 2b)

“Am Sonntag den 8.12.1933. beschloss der Ausschuss des Theatervereines die Auflösung. (Ursache: Mangel an Nachwuchs)” 2b)

“Am 5.11.1933 beschloss der Gemeinderat von Neustift im Felde, seiner Exzellenz, Hr. Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde zu verleihen. Bundeskanzler Dr. Dollfuß spendete anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger von Neustift den armen Kindern des Ortes 100 Schilling.

Um Weihnachten wurden Verhandlungen mit dem Deutschen Reiche von Seiten des Bundeskanzlers und von Seiten der Heimwehr (Alberti) mit den österreichischen Nationalsozialisten (Fraunfeld) gepflegt. Erstere zerschlugen sich, letztere wurden von Kriminalbeamten des Bundeskanzlers ausgehoben. Landesführer Alberti sowie Landesführer Alberti sowie sein Stellvertreter Rubazek wurden ihrer Ämter enthoben und Frauenfeld ins Landesgericht abgeliefert. Die Lage hat sich außerordentlich verschärft. Das ganze Reich bebt.

Verschiedene Konzentrationslager wurden errichtet. Die national- sozialistische Propaganda wächst unheimlich.
In ganz Österreich knallen Papierböller, brennen Hakenkreuze, wird die
Bevölkerung beunruhigt. In unserer Umgebung, besonders Kirchberg
Papierböllerexplosion (30.1.), Abrollen einer Hakenkreuzflagge im Kinosaale während einer Vorstellung, Streuen von gestanzten Hakenkreuzen und bemalen der Häuser mit diesem Zeichen in den Orten: Engelmannsbrunn, Absdorf, Winkl, Kollersdorf, Sachsendorf, Seebarn, Grafenwörth. Dagegen sucht die Regierung diese Propaganda mit äußerster Gewalt zu verhindern. Die Hilfskorps (Heimwehr, Sturmscharen, christlich deutsche Turner) werden aufgeboten, in Kasernen in Bereitschaft gehalten. Eine Note der österr. Regierung an das deutsche Reich, die Propaganda einzustellen, wird abschlägig beschieden. Die österreichische Regierung will nach Genf zum Völkerbund damit gehen. Es werden aber ausländische Pressestimmen (englische) laut, dies nicht zu tun. Am 2. Februar fand in Wien eine große Kundgebung des NÖ. Bauernbundes statt. Es beteiligten sich daran die katholischen Burschenvereine, die christliche Turnerschaft, die Sturmscharen, die katholischen Arbeiter und Studenten, insgesamt 110.000 Menschen. Von Neustift beteiligten sich daran 40 Erwachsene u. 11 Mitglieder des katholischen Burschenvereines.” 2b)

“12.2. 1934 Aufruhr: Der Sturm ist losgebrochen aber von Seite der Sozialdemokraten. Der republikanische Schutzbund, durch die Linzer Ereignisse gedrängt, griff zum bewaffneten Aufruhr.
Sie hatten modernste Waffen tschechischer Herkunft und angeblich
Stahlhelme aus Frankreich. Die Unruhen konzentrierten sich hauptsächlich auf Wien, Bruck, Kapfenberg, Eggenberg bei Graz, Linz, Attnang und Steyr. Die Exekutive wurde im schweren viertägigen Kampf Herr der Lage. Bei den Kämpfen um die zu Festungen ausgebauten Gemeindebauten der Stadt Wien, wie in Bruck, Kapfenberg, Linz und Steyr wurden Artillerie und Minenwerfer eingesetzt. Ungeheures Kriegsmaterial wurde beschlagnahmt. Große Abteilungen des republikanischen Schutzbundes flohen in die Tschechische Republik.

Die Führer waren schon vorher geflohen. Nach amtlichen Mitteilungen betrug die Zahl der Toten (beiderseits) rund 300, die Zahl der Verletzten 800. Die Nationalsozialisten waren in dieser Zeit ruhig. Ja sie erklärten einen Waffenstillstand zu halten bis 28.2. 12 Uhr mittags zwecks Verhandlungen. Selbstredend war die Ortschaft durch die Ereignisse aufgewühlt”. 2b)

“Am 22. März 1934 ist Volkszählungstag. Ab diesem Tag 1 Uhr in der Früh wird der Stand der Bevölkerung gezählt. Neben der Volkszählung wird für die Landwirtschaftskammer eine Viehzählung vorgenommen. Auf Grund dieser Zählung bewohnen Neustift: 406 Menschen, von 86 Häusern sind 6 unbewohnt. Von den 6 unbewohnten Häusern wird 1 Haus noch amtlich geführt, obwohl es niedergeräumt ist. Neustift zählt außerdem: 59 Pferde, 271 Kühe, 98 Ziegen, 810 Schweine, 1930 Hühner, 21 Enten, 18 Gänse und 17 Bienenstöcke. Die Erhebungen führte Bürgermeister Josef Berthiller und Obl. Adalbert Hirsch als Zählkommissär durch.
Es wurde ein Zeitraum von 10 Tagen beansprucht.” 2b)



“Am 1. Mai 1934 bekam das Volk die neue Verfassung, die auf die päpstliche Enzyclica quadragesimo anno aufgebaut, welche die Grundlage zum künftigen Ständestaat geben soll. Der Tag wurde zum Nationalfeiertag erklärt. Er wurde auch hier festlich begangen. Die Schule beteiligte sich an den Feiern in Kirchberg.” 2b)

“Am 5.5. 1934 wurde vom Bundespräsidenten Miclas das Koncordat mit dem römischen Stuhl in feierlicher Weise unterzeichnet. Dadurch erhält die Katholische Kirche dieselben Rechte wieder, die diese in der Vorkriegszeit (vor 1914) innehatte.” 2b)

“Sprengstoffanschläge, Ortswehren: Ende Mai, und Anfang Juni 1934 verdichteten sich die politischen Sprengstoffattentate auf Eisenbahnen, Brücken, Lichtleitungen, Wasserleitungen etc. derart, dass sich die Regierung genötigt sah, in jedem Orte Ortswehren aufzustellen. Auch in Neustift bildete sich eine Ortswehr. Diese richtete einen Wachdienst ein. Die von kommunistischer wie nationalsozialistischer Seite verübten Sprengstoffanschläge verfolgen augenscheinlich den Zweck, den
österreichischen Fremdenverkehr zu unterbinden. Die Regierung hat das Standrecht auf Sprengstoffanschläge erweitert.” 2b)

"Am 25. Juli 1934 drangen in das Gebäude der Rawag und in das
Bundeskanzleramt 300 Nationalsozialisten in Uniformen der Polizei
und des Heeres. Die kleine Truppe im Ravaggebäude wurde nach
mehrstündigem Kampfe überwältigt. Die Aufständischen im
Bundeskanzleramte nahmen einen Teil des Ministerrates gefangen samt Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der bei seiner Gefangennahme schwer verwundet wurde und nach 2 Stunden starb. In den Ländern Steiermark Kärnten und Salzburg brach nun der Nationalsozialistische Aufstand los, den die Exekution nach 6tägigen schweren Kämpfen niederwarf. Viele
Nationalsozialisten wurden gefangen. Etwa 2300 Mann flohen nach
Jugoslawien. Leider hatte die Exekution 91 Tote zu beklagen. Die Toten der Aufständischen wurden amtlich nicht bekannt gegeben. Von Amtswegen und von der “Vaterländischen Front” wurden Trauerfeiern für den verstorbenen Bundeskanzler abgehalten, Massenverhaftungen
von Nationalsozialisten wurden durchgeführt. 8 Tage später ernennt
der Bundespräsident Dr. Miklas, Dr. Kurt v. Schuschnigg zum Bundeskanzler. Fürst Starhemberg bleibt Vizekanzler und übernimmt die Führung der “Vaterländischen Front”. 2b)

“Am 15. Sept. 1934 wallfahren 10.000 Mitglieder des NÖ. Bauernbundes zum Gedächtnis des verstorbenen Bundeskanzlers Dollfuß nach Mariazell. Von den Neustifter Bauern beteiligen sich daran vier.” 2b)

“Am 16. Oktober 1934 ernannte der Gemeindetag den Bundesminister Josef Reither zum Ehrenbürger.” 2b)

“Am 4. November 1934 wurde in Kirchberg am Wagram in Anwesenheit des Herrn Bezirkshauptmanns, des Herrn Bezirksschulinspektors, eines Mitgl. der Landesleitung der W.F., des Bauernbundobmannes Fiegl, der Wehrfrontführer Gläser und Waltner, die Bezirksfahne der Vaterländischen Front geweiht, außerdem das Denkmal für den verewigten Bundeskanzler Dr. Dollfuß enthüllt. Schulkinder, Reichsbund, Sturmscharen, Heimatschutz, Ehrengäste, Feuerwehren, Veteranen und Kriegerverbände waren zahlreich anwesend. Der Tag war sehr stürmisch und sehr kalt. Die Redner sprachen versöhnlich.
Nach einer Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal und einer Defilierung der Wehrverbände nahm die Feier ihr Ende”. 2b)

“Im Oktober 1934 wurde hier eine Ortsgruppe der Heimwehr gegründet.” 2b)

“Große Streitigkeiten, Zerfall des Dorfes in 2 Lager, Schlichtung ergebnislos

Am 17.3.1935 bestellte Bezirksführer der “Vaterländischen Front” und des Heimatschutzes, Hr. Rudolf Gläser den Gemeinderat, die Führer des Heimatschutzes und die Funktionäre der Vaterländischen Front in das Klassenzimmer der Volksschule, um angeblich Streitigkeiten innerhalb der (eigenen) Vaterländischen Front zu schlichten. Es trat da Bürgermeister Josef Berthiller gegen seinen Bruder Leopold Berthiller, dem Obmann der Vaterländischen Front und Ortsschulratsobmann, in Beschwerde. Es kam aber heraus, dass die Streitigkeiten, in die sich noch andere Herren mengten, rein persönlicher Natur waren und mit der Vaterländischen Front nichts zu tun hatten. Es wurden eine Menge Verdächtigungen aufgezählt, die in nichts bei näherer Betrachtung zusammenbrachen.

Man kann sagen, dass der Hauptgrund dieser tiefliegenden Zwistigkeiten in der Trennung der Burschen in Heimatschutz und Sturmscharen liegt. Ehrgeizige Väter und lachende Dritte tun das übrige und so sehen wir wieder einmal, aber diesmal unter dem Deckmantel der Politik, das Dorf in 2 Lager auseinanderfallen, wie schon so oft zum Ärger der Unparteiischen und zur Freude der Nachbarn. Es wird verdächtigt und intrigiert ohne Rücksicht, getratscht nach alten Weibermethoden und in den Kellern werden bei schwerem Kopfe Rache und Kampfpläne geschmiedet.” 2b)

“1935: In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai und vom 2. auf den 3. Mai trat derartiger Frost ein (4° - 6° unter null), dass die Weinkulturen bis zu 90 % vernichtet wurden. Frühe Apfelsorten, Marillen, Kirschen und Nüsse nahm der Frost. Sogar das Laub der Rosenbäumchen war an den Spitzen gezischt.” 2b)

“Am 18. Mai 1935 brachte ein ganz unscheinbar aussehendes Gewitter um 3 Uhr nachm. furchtbaren Hagelschlag.
Die Kulturen wurden strichweise bis zu 70 % vernichtet. Die Hagelkörner
lagen 3fingerdick auf dem Boden. Das Wasser staute sich. Neustift war wie im Winter anzusehen. Das Elend ist groß.” 2b)

“Die Kastanienbäume auf dem Kaiser- u. Dollfußplatz (nunmehr Ludwig Piffl-Platz) wurden im Frühjahr 1935 gepflanzt. “2b)

“Am 27.8.1935 starb hier der Ausnehmer Zimmermann Josef auf Haus Nr. 35 im Alter von 95 Jahren. Er gehörte zu den ältesten Männern des Bezirkes.” 2b)

“Deutscher Friede: Am 12. Februar 1938 besuchte Bundeskanzler Dr. Schuschnigg den Deutschen Reichskanzler auf dem Obersalzberg. Auf Grund dieser Besprechungen wurde der Nationalsozialistischen Bewegung in Österreich volle Betätigungsfreiheit gegeben. Der Bundeskanzler nannte diesen Ausgleich den Deutschen Frieden”.2b)

“13.März 1938 Volksabstimmung: Der Bundeskanzler ordnet an, dass am 13. März nach 3 ½ tägiger Vorbereitung das deutsche Volk in Österreich über sein Schicksal entscheiden sollte. Die kurze Wahlvorbereitung und die Verletzung des Berchtesgadener Abkommens riefen Unruhen hervor und Deutschland auf den Plan. Bundeskanzler Schuschnigg wurde gestürzt und der nationalsozialistische Innenminister Seyß-Inquart mit der Regierungsbildung betraut. Dieser rief sofort Reichsdeutsche Truppen ins Land und Adolf Hitler entsprach der Bitte.

 

Am Samstag den 12. März übernahm nun der deutsche Reichskanzler
Adolf Hitler Österreich als Land des Deutschen Reiches. Für den 10. April ist nun eine Volksabstimmung angesetzt, die frei und geheim ist. Text der Schulchronik: Wir sind nun Deutschland geworden. 2b)

 

“Die für den 10.4. 1938 angesetzte Volksabstimmung hatte in Neustift das Ergebnis einer 100 % Wahlbeteiligung und 100 % ja Stimmen. Es wurden 243 ja Stimmen abgegeben. Deutsch Österreich stimmte mit 99,75 % für Adolf Hitler. Ein Wunder ist geschehen!” 2b)

 

“Nordlicht 25.1.38:Am 25. Jänner war hier in der Zeit von ½ 8 – 10 Uhr abends prächtiges Nordlicht zu sehen. Das Licht begann zuerst grünlich zu scheinen, es wurde dann sehr rot und von der Erde ausgehenden, Richtung Himmel nehmenden Strahlen in gelber, lichter Farbe untermalt. Diese seltsame Erscheinung wurde teils mit Staunen, teils mit abergläubischer Furcht von den Dorfbewohnern beobachtet. Im Jahre 1914, also vor Ausbruch des Weltkrieges, soll ebenfalls eine derartige Erscheinung gewesen sein. Diese wurde damals allenthalben als Anzeichen eines nahen Krieges ausgelegt. Auf Grund des Nordlichtes vom 25.1.1938 nehmen die abergläubischen Menschen hier es als ganz sicher an, dass in diesem Jahr noch ein schwerer Krieg das Land heimsuchen wird. “2b)



“Strenger Winter1939/40:Schon nach Mitte Dezember setzte der Winter mit größter Strenge ein. Die Straße nach Kirchberg war verweht und ungangbar. Das Wild litt besonders stark unter der großen Kälte. Die meisten Marillen-, Pfirsich- und Zwetschgenbäume sind eingegangen. Durch die Strenge des Winters ging der Brennstoff aus.
Daher Kälteferien: 19. Februar – 5. März (1940)”. 2b)

“27. Februar 1940.: Musterung 1908/09: Der Leiter der Schule wurde ebenfalls gemustert und für tauglich erklärt”. 2b)

“Am Ostersonntag 1940 gab es eine prachtvolle Nordlichterscheinung. Sie machte sich bei uns in einer eigentümlichen Verfärbung des Himmels bemerkbar und ließ auf Brand schließen”. 2b)

“Für die geplante Seidenraupenzucht wurden 500 Stück zweijährige Maulbeerpflanzen bestellt”. 2b)

“Mit 1. April (1940) wurde die Sommerzeit eingeführt, um dem Tag eine Stunde abzugewinnen”. 2b)

“Englische Verluste Die wichtigsten Punkte Norwegens sind trotz englischer Truppenverstärkungen in den Händen unserer Soldaten. Gesamtverluste der britischen Flotte vor Norwegen: 29 Kriegsschiffe versenkt, 28 schwer beschädigt Reichsaußenminister Ribbentrop enthüllte in seiner Rede im großen Empfangssaal der neuen Reichskanzlei die
britischen Pläne für den Gewaltstreich in Norwegen”. 2b)

“Mit einer vom Reichssender Wien übertragenen Großkundgebung wurde gestern (28.4.1940) in Krems vom stellvertretenden Gauleiter Garland die Gauausstellung des NS-Lehrerbundes eröffnet, auf der die schönsten der 6000 von Schülern und Lehrern für Schulen des Warthegaues festgestellten Lehrmittel und Behelfen gezeigt wurden. Der Gauleiter des NSLB Rg. Winkler eröffnete die Kundgebung. (Gemeinschaftsimpfung in der Schule)”. 2b)

„Die Neustifter der Geburtsjahrgänge 1904 und 1905 musterten sich am 27. April (1940) in Kirchberg am Wagram“. 2b)

„25.9.1940 Wechsel in der Schulleitung

An Stelle des zum Wehrdienste eingezogenen Schulleiters, H. Alexander Popek übernahm Frau Adele Schumann, aplm. Lehrerin, die Leitung der hiesigen Schule.

21.9.1941: Außergewöhnliche Unterrichtserteilung: Die Verschickung der vorhin genannten Lehrerin Adele Schumann mit freiwilligem Ausscheiden aus dem Schulschaffen und der katastrophale Mangel an Lehrkräften im Kreis Tulln bedingt durch die vielen Einberufungen zur Kriegsdienstleistung, hatte eine außergewöhnliche, Unterrichtserteilung zur Folge. Mithin wurde der provisorische Schulleiter von Winkl, Obl. I.R. Robert Löffler, auch mit der Leitung bzw. Unterrichtserteilung auch in Neustift betraut. Obl. Robert Löffler, geb. Am 7.3.1886 in Pernegg, Kreis Horn, Niederdonau, besuchte die L.B.A. In Krems /Donau (Reife 1906) und diente von 1920 bis 1938 als Oberlehrer in Gösing, wurde in letzterem Jahre in den Ruhestand versetzt und mit 1.1.1940 auf Grund seiner freiwilligen Meldung auf Kriegsdauer wieder in Dienst gestellt. Der Unterricht an beiden Schulen wurde in der Form der Wochenstunden erteilt, einer Notmaßnahme, die sich trotz aller Mühen hinsichtlich des Anstrengens höchst nachteilig auswirkte“. 2b)

„3.XII.1941 Kreistagung des NS Lehrerbundes: Am Mittwoch, den 3.12. wurde im Stadtsaal zu Tulln eine Kreistagung abgehalten, für die folgender Verlauf festgesetzt war:

1. Flaggenhissung. Lied: In den Ostwind hebt die Fahnen; 2. Zum Gedenken an den Kameraden Leopold Leirer; Zwentendorf, gefallen am 30.8.1941 im Osten; 3. Verteilung der Reichs- u. Gausingerpreise beim Schülerwettbewerb “ Seefahrt ist not”; 4. Gauwalter i. V. Reg. Rat Leopold Lindbichler spricht; 5. Mitteilungen der Kreiswalters; 6. Dr. Kurt Lanz: Von der Entstehung des Tullnerfeldes, Vortrag; 7. Niederholung der Flaggen. Lieder der Nation.

Infolge der starken Kälte war die Veranstaltung schwer beeinträchtigt. An Stelle des vorgesehenen Reg. R. Lindbichler war R.R. Dr. Franz Kurzmann erschienen, dem nach freien ausgezeichneten sehr politischen Erörterungen begeisterter Beifall zuteilwurde“. 2b)



„31.7.1941 Heldentod: Als erstes Blutopfer der Gemeinde Neustift fiel am 31. Juli 1941 an der Ostfront der in Neustift am 8.11.1920 geborene Franz Zimmermann (Haus Nr. 35), als M.G. Schütze einer Radfahrabteilung bei Berestowetz in Russland, und wurde nach Mitteilung seiner Kommandantur von seinen Kameraden am Ostrand des Waldes bei B. begraben. Ehre dem Tapferen!“ 2b)

„3.7.1942 Filmvorführung: Am 3. Juli 1942 wurde zur Freude der Schüler zum ersten Male folgender Film vorgeführt: “Einer, der auszog, um Gruseln zu lernen” - ”Fallschirmjäger”, - “Der Kampf in Griechenland und Kreta” - “Die Ersten” „. 2b)

„Am 24.August 1942 fand bei den schweren Kämpfen um Stalingrad der Gefreite Johann Zehetner (geb.30.8.1913) aus Neustift Nr. 7 den Heldentod. Ein ehrendes Gedenken bleibt ihm gewahrt! 2b)

„4.10.1942 Offenes Singen: Es war ein guter Gedanke des Kulturamtes der Kreispropagandaleitung, anlässlich der Straßensammlung für das Kriegs WHW am 24. u. 25. 10. 1942, bei der als Abzeichen Liederheftchen verkauft wurden, ein Markt- und Platzsingen anzuregen. Aus diesem Grunde traten über Weisung des Schulleiters am Sonntag, dem 24.10.42, auch die Kinder der hiesigen Schule zu einem offenen Singen an.

Es war ein prächtiger Spätherbsttag, als die Schüler in der Mittagsstunde
hintereinander an drei Plätzen des Ortes Aufstellung nahmen und ihre frischen Lieder, begleitet von einer volltönenden Klavierharmonika, zum Beifall der Ortsbewohner erklingen ließen. Die zugleich einsetzende Büchsensammlung ergab einen Gesamtbetrag von 122,96 RM, wovon die Schüler allein (ohne Abzeichen zum Verkauf zu bieten) 16,48 RM hereinbrachten“. 2b)

„3.12.1942 Kleine Gäste aus dem Altreich: Am 3.Dezember traten, aus dem Kreis Gmünd Naumur, 7 Schüler (3 Knaben und 4 Mädchen) aus den Luftgefährdeten Gebieten in Nordwest-Deutschland in die hiesige Schule ein. Die Namen der Kinder, die sich bei hiesigen Pflegeeltern recht wohl fühlen, sind: Irmgard, Margit und Alfred Farwick [Forwich? Forwid?] (Geschwister), Willy und Elfi von Bein (Geschwister) und Johann Tarus,
sämtliche aus Mühlheim (Ruhr)“. 2b)

„21.12.1942 Heilpflanzen- und Altmaterialsammlung der Schüler des Kreises Tulln. In der Weihnachtsnummer der Donau wacht (“Mitteilungsblatt des Kreises” Tulln der N.S.D.A.P. veröffentlichte der Gauamtsleiter des N.S. Lehrerbundes Otto Winkler einen, die gesamte Erzieherschaft des Gaues ehrenden Aufsatz“. 2b)

„30.0.1943 Zehnjahresfeier der Machtergreifung durch Adolf Hitler...... Im Anschluss an die Feier wurde die Ansprache des Reichjugendführers durch den Rundfunk abgehört.

Die Schüler, welche der Veranstaltung volles Verständnis entgegentrugen, zeigten sich von der würdigen Feier tief beeindruckt“. 2b)

„14.3.1943 Schulung der Ortsbewohner im Luftschutz

Am Sonntag, den 14. März 43, 1 h nachm. begannen im Auftrag des Gemeindegruppenführers die periodischen Kreise der Einschulung für den Großteil der Ortsbewohner in 4 Doppelstunden. - Unter dem Vorsitz des 1. Beigeordneten der Gemeinde Leopold Walzer und unter Mithilfe des Untergruppenführers Johann Kohoutek wurden die Leute an Hand von Filmen und Geräten in allen Belangen des Selbstschutzes unterwiesen. Den Abschluss der Schulungen bildete die praktische Übung am 21. März auf dem Ortsplatze, bei der unter Mitwirkung der größeren Schüler und Schülerinnen der Zugriff bei Brandbekämpfung, Laienhilfe, Verwundetentransport u.a.m. vorgeführt wurde. Die Übungen fanden das Interesse aller Beteiligten schon im Hinblick auf die Wichtigkeit und den Ernst der Sache. - Die Schulung leitete der prov. Schulleiter Robert Löffler als Luftschutzlehrer“. 2b)

„In den Wochen des Jänner 1944 wurden viele Schüler durch eine Masern- und Grippeepidemie vom Unterricht ferngehalten, welcher Umstand sich besonders auf die Unterstufe hinsichtlich des Fortganges empfindlich hemmend auswirkte. Der Hundertsatz des Versäumnisses betrug für Neustift 32,213, für Winkl 44,378, ein wohl selten vorkommender Fall“. 2b)

„22.1.1944 Opferfreudige Bewohnerschaft: Gelegentlich der gaueigenen

Straßensammlung am 22. u. 23. Jänner 1944 wurde in Neustift der ansehnliche Betrag von RM 908,66 aufgebracht. Bei einer Einwohnerzahl von 390 entfielen somit auf den Kopf RM 2,33. im gesamten Ortsgruppenkreis erreichte diese Sammlung ein noch nie erreichtes
Ergebnis von 134.699,52 RM. Alles für den Sieg!“ 2b)

„Beginn der Luftangriffe im Bereiche des Kreises Tulln: Bereits am 26.5.1944 gegen 10 h Vormittag erschien während des Unterrichtes der 1. Beigeordnete der Gemeinde, Herr Leopold Walzer mit der Mitteilung, dass von Kirchberg aus fernmündlich Luftalarm angesagt sei. Unter den langgezogenen Tönen der Alarmhörner verließen die Schüler sofort das Schulhaus um sich zu ihren Eltern zu begeben, nachdem sie noch einmal auf die Verhaltensmaßnahmen aufmerksam gemacht worden waren. Der Schulleiter begab sich zum örtlichen Luftschutzleiter in die Gemeindekanzlei. Von hier aus konnte der feindliche Fliegerverband in der Flugrichtung von Nord-Osten gegen Süd-West in großer Höhe beobachtet werden. Diesmal fielen im Bereich des Kreises noch keine Bomben“. 2b)

„30.5.1944: Nach einem schweren Angriff auf den südlichen Teil von Groß-Wien am Vormittag des 29. Mai (Pfingstmontag) erschien nach Mitternacht ein feindl. Verband über Fels und warf Bomben kleinen Kalibers“. 2b)

„26.6.1944: Schwere Bombenabwürfe brachte der 26.Juni:- nach erfolgtem Alarm gegen 10 h vorm. erschienen starke feindl. Verbände in süd-östl. Richtung. Den beobachtenden Bewohnern von Neustift bot sich alsbald ein atemberaubendes Schauspiel. Der sonnenklare Himmel war von den Rauchstreifen der Flugzeuge durchfurcht, klar sahen sie die weißen Sprengwölkchen der berstenden Flak-Granaten, und schon sah man die ersten drei der feindlichen Maschinen getroffen und zinnoberrot brennend in der Richtung Bierbaum - Utzenlaa abstürzen.(das Wrack eines derselben, ein 4motoriger Bomber, lag längere Zeit in einem Felde bei Bierbaum und war das Ziel vieler Neugieriger). Durch das Krachen der Flak und das Dröhnen der schweren Bombeneinschläge schien die Hölle los zu sein. Die Leute in den Luftschutzräumen wurden geradezu hin- und hergeschüttelt. Als der Bombenangriff vorbei war, sah man über Moosbierbaum eine schwarze Rauchwolke liegen, die sich erst am nächsten Tage verzog. Eine Anzahl feindlicher Flieger, die sich mit dem Fallschirm retten konnte, wurde nach Kirchberg gebracht, während die mobilisierte SA Wachmannschaft und Landwachtmänner die Gegend nach weiteren Anglo- Amerikanern durchsuchte“. 2b)

„18.11.1944 Einwöchentlicher Unterrichtsentfall: Wegen Einberufung des damaligen Schulleiters (Obl. I.R. Robert Löffler zu einem einwöchigen Volkssturmzugführerlehrgang in Hainburg /Donau entfiel vom 18.-25.11.1944 der Unterricht“. 2b)

„15.12.1944 Verlängerte Weihnachtsferien: Zufolge Verfügung des Reichsstatthalters wurden die Weihnachtsferien auf den Zeitraum vom 15.12. 1944 – 17.1.1945 festgesetzt. - Da durch die zahlreichen Fliegeralarme ein empfindlicher Ausfall von Unterrichtsstunden besonders auf der Untergruppe eingetreten war, entschloss sich der Schulleiter, den Schülern der 1. -3. Schulstufe wöchentlich zweimal in einem einstündlichen Beisammensein Aufgaben zu geben. Durch diese Maßnahme wurde das Versäumte einigermaßen nachgeholt“. 2b)

„15.1.1945 Ein interessantes fliegerisches Ereignis: Am Montag, den 15. Jänner 1945 erschien nach erfolgtem Luftalarm bei klaren, sonnigen Winterwetter ein starker Verband anglo-amerikanischer Bomber unter Begleitschutz über dem Ortsgruppenkreis und nahm Kurs von Nordost nach Südwest. Über Kirchberg löste sich ein einmotoriger Bomber vom

Verband und begann in großen Spiralen langsam niederzugehen. Gleichzeitig sah man eine Anzahl von Leuten mit dem Fallschirm abspringen und gegen Nordost abtreiben. Während ein Fallschirmspringer beim Hausberg von Mitterstockstall landete, kreiste der Bomber, bei dem bereits ein Motor ausgesetzt hatte, immer tiefer, streifte fast die Wipfel der Alleebäume von Kirchberg und nahm noch einmal eine letzte Kurve gegen Oberstockstall, wo er beim alten Judenfriedhof nahend zerschellte. Eine hoch aufstiebende Schneewolke war das Signal zu einem allgemeinen Laufen der Neugierigen, die in Scharen zur “Landestelle” strebten und die Verwüstungen des Wrackes, dessen Trümmer das Schneefeld in einer Länge von ½ Kilometer bedeckten, zu bestaunen. Sonderbarerweise fand man an der Absturzstelle von einem Menschen, d. h. Insassen keine Spur. Je 2 weitere Feindflieger wurden mit ihren Fallschirmen in Engelmannsbrunn und Ottenthal festgenommen. Der Bomber dürfte beim Angriff auf Wien angeschlagen worden sein“. 2b)



„17.1.1945 Fortsetzung des Notunterrichtes! Zum Zwecke der Einsparung von Kohle wurde die Unterrichtserteilung nach der Niederschrift vom 15.12.1944 bis auf weiteres beibehalten“. 2b)



„31.1.1945 Nahe Bombenabwürfe: Am letzten Jännertage fielen zwischen Neustift und Kollersdorf (Ried Reinfeld-Lodersteig) über 40 schwere Bomben, die in den Feldern gewaltige Trichter aufrissen“. 2b)

„6.3.1945: Panzersperren und Verteidigungsanlagen im Orte: Am 6.3. erschien im Ort eine Pionierkompanie aus Klosterneuburg unter dem Kommando eines Leutnants Sch. und eines Oberfeldwebels Ritterkreuzträger B. aus Hainburg), um mit der Errichtung von Panzersperren zwischen den Häusern 5-4, 58-59, 5-58, 5-57, 7-56 im oberen Orte, und zwischen den Nummern 31-36 und 32-35 im unteren Ortsteil zu beginnen. Zu diesem Zwecke wurden Baumstämme (Ulmen)
aus Jugoslawien vom Lagerplatz Wastl – Altenwörth in der Menge von 132 Festmetern herbeigeholt und um den Ort Schützengräben in der Länge von einigen hundert Metern ausgehoben. Neustift war damit zum Ziele der unterschiedlichen Volkssturmkompanien geworden, die aus der Umgebung herbeikamen, um die Ausführungen zu besichtigen, da Befehl gegeben wurde, dass an allen Orten ähnliche Sperren und Anlagen errichtet werden sollten. Die Ausführung dieses unsinnigen Befehles brachten den Volkssturmmännern in der Folge reich saure Arbeit und Plage. Sie war, wie die Zukunft lehrte, vollständig nutzlos“. 2b)



„Ernste Tage und Stunden: Ende März 1945 zeigten die Straßen ein Bild besonderer Tragik. Waren schon vorher die zahllosen Kraftwagen der Flüchtlinge aus Ungarn, dem Banat, der Slowakei usw. in fast ununterbrochenen Kolonnen gegen Westen gerast, so setzte kurz vor Ostern (1.4.) der Flüchtlingsstrom der Bewohner aus Wien und Umgebung ein. Unter Zuhilfenahme von vollgepackten Fahrrädern, Schiebkarren, Zugwagen, ja selbst Kinderwägelchen zogen die bedauernswerten Menschen, in Schweiß gebadet, ohne Unterlass und Kraft, inmitten von ratternden Kraftfahrzeugen und Trosswagen, gegen Krems. Wer Glück hatte, konnte auf vollgepferchten Militärfuhrwerken mitkommen, sonst hieß es, an umgestürzten oder festgesessenen Autos vorbei, zu Fuß den noch ruhigeren Westen zu erreichen. Ein günstiges Geschick wollte es, dass diese chaotische Flucht in die warme Jahreszeit fiel, sonst hätte sich eines der grauenvollen Dramen, wie etwa das von Breslau wiederholt. Schon hieß es auch im benachbarten Kirchberg, dass die Bewohner der Umgebung evakuiert würden, welches Gerücht begreiflicherweise große Besorgnis auslöste. Zum Glück weigerten sich die Bauern einmütig, das notwendige Fuhrwerk beizustellen, was aber nicht verhindern konnte, dass ein Großteil der Nationalsozialisten von Kirchberg und Umgebung auf einigen Lastkraftwagen den Ort verließ. - In diese Zeit fällt auch die Einstellung des Unterrichtes an der Schule Neustift: Schon zu Beginn der Karwoche bekam der Ort militärische Einquartierung, was zur Folge hatte, dass auch das Schulzimmer belegt wurde. Als der prov. Schulleiter R. Löffler eines Tages erschien, um den Unterricht zu beginnen, schauten aus den Fenstern des Klassenzimmers deutsche Soldaten, während andere neben den übereinandergestellten Schulbänken neben ihren Rüstungen schliefen. Einige Schülerinnen, die mit ihren Schulsachen unter der Tür standen, wurden heimgeschickt und somit war die Schule wieder einmal bis auf weiteres geschlossen“. 2b)



„2.4.1945 Brand in der Gemeinde Neustift auf dem Bahnhofe Kirchberg am Wagram: Am selben Tage gegen 16 h erschienen feindliche Flieger aus nördl. Richtung und beschossen im Tiefflug einen in der Station stehenden Ölzug, der sofort in Flammen stand. Die Arbeit der Feuerwehren wurde durch den schwarzen, stinkenden Qualm und die Hitze sehr erschwert, doch gelang es nach längerer Zeit, dem Feuer Herr zu werden. Das Stationsgebäude und die Klosettanlage wurden durch Geschosse beschädigt, auf dem Geleise verbrannten 2 Tankwagen mit Dieselöl und zwei Waggons mit Schieren und Rodeln“. 2b)

„8.5.1945 Einmarsch der Russen in Kirchberg und Neustift. Der 8.Mai brachte das große Ereignis. Schon zeitlich früh ertönten von Kirchberg her starke Detonationen.
Man vermutete anfangs Artilleriefeuer, doch stellte sich alsbald heraus, dass der lufterschütternde Lärm von dem Sprengen einiger Panzer, die von den noch zurückgebliebenen deutschen Soldaten auf solche Art zerstört wurden, herrühren. Im Lauf des Vormittags trat eine eigentümliche Ruhe ein. In der ganzen Gegend ertönte kein Schuss. Alles war der Meinung, dass der Krieg nun zu Ende sei. Gegen Mittag verließ die letzte deutsche Einheit Kirchberg, nachdem von ihr viele Ausrüstungs- und Gebrauchsgegenstände an die Bewohner von Kirchberg am Wagram verteilt oder kurzerhand von den Wagen geworfen wurden. Das war das Ende! - An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass am selben Tage früh sämtliche Geleise und Weichenanlagen auf der Strecke Absdorf -Hadersdorf und dort selbst die Eisenbahnbrücke über den Kamp gesprengt wurden was sich in der Folge sehr störend auf den Verkehr auswirkte. Gegen ½ 3 h nachm. vernahm man abermals Detonationen, die diesmal tatsächlich von Geschützen herrührten. Die russische Artillerie begann, Kirchberg zu beschießen. Die Granaten, zum Glück kleineren Kalibers schlugen mit großer Genauigkeit in dem Häuserblock im “Tobel” an der Bezirksstraße und verursachten ziemlichen Gebäudeschaden, besonders an den Häusern der Besitzer Anker und Damböck. Alles flüchtete noch einmal in die Keller. Leider fielen der Beschießung von Kirchberg auch Menschen zum Opfer. Drei Erwachsene wurden tödlich, ein Kind schwer verletzt. – Etwa gegen ½ 4 h nachm., als auch Neustift aus der Richtung Sitzenberg-Reidling unter Artillerie-Beschuss genommen wurde. Die ersten Granaten gingen in der Flur Altendorf nieder, die nächsten saßen bereits im Orte selbst. Es fauchten jedes Mal Lagen zu 6 Schuss heran. Unter anderem erhielten das Haus Nr. 46 (Alois Walzer) 3 Treffer auf das Dach, das Haus Nr. 18 (Johann Hochreiter) 5 Treffer auf das Haus- bzw. Stalldach, andere Objekte ebenfalls leichtere Treffer. Zum Glück wurde nur eine Person, O. Johann, 19 durch Splitter am Arm verletzt. - Bald darauf traf der erste Russe, ein Kommissar, auf dem Fahrrad über dem Feldweg von Unterstockstall herkommend, im Orte ein, verlangte nach dem Bürgermeister und ordnete die Waffenabgabe an. Die russische Artillerie hatte nach Abschuss von vier Leuchtsignalen das Feuer eingestellt. Alsbald rollten die russischen Kolonnen ohne Unterlass durch den Ort gegen Westen. Die Besatzung war da!“ 2b)

„11.6.1945 Wiederaufnahme des Unterrichtes: Nachdem im Ort wieder etwas Ruhe eingetreten war, entschloss sich der prov. Schulleiter R. Löffler am Montag, den 11. Juni 1945 den Unterricht wieder aufzunehmen. Da zu dieser Zeit für Winkl keine Lehrkraft zur Verfügung stand – die dortige pr. Schulleiterin Frau Paula Misof war geflüchtet -, wurden die Schüler von Winkl abermals verhalten, die Schule in Neustift zu besuchen“. 2b)

„15.9.1945: Abgang des bisherigen provisorischen Leiters R. Löffler, Obl. i. R. Nach fast 5 jähriger Abwesenheit übernahm Oberlehrer Alexander Popek am 17. September 1945 wieder die Leitung der Schule Neustift im Felde“. 2b)

„Trotz des strengen Winters konnte hierorts der Unterricht ohne Unterbrechung geführt werden, da die Gemeinde rechtzeitig genügend Brennmaterial beschafft hatte“. 2b)



„Bei der im November 1945 durchgeführten Wahl in ganz Österreich ergab sich für Neustift folgendes Stimmenverhältnis: ÖVP 152, SPÖ 33 u. KPÖ 12. Durch dieses Stimmenverhältnis blieb der Bürgermeister Franz Hofbauer weiter im Amte“. 2b)

„20.Jänner 1946 Fest des hl. Sebastian: Nach fast 8 jähriger Unterbrechung wurde heuer wieder der größte Festtag des Ortes(Fest des hl. Sebastian) in würdiger Weise begangen. Zum ersten Mal führten die Neustifter selbstständig unter Führung des Leiters der Schule ein lateinisches Hochamt auf. Die Festpredigt hielt Hochwürden Zachorsky aus Wien“. 2b)

„Am 13. Februar 1946 kamen 6 erholungsbedürftige Kinder aus Pottenstein nach Neustift“. 2b)

„Am 15. Februar 1946 wurde der selbstständige Schulbetrieb in Winkl wieder aufgenommen. Dadurch war in Neustift wieder ein geordneter Schulbetrieb möglich geworden“. 2b)

„Am 13. April 1946 war die Befreiungsfeier. Der Tag war schulfrei.“ 2b)

Kardinal Innitzer wurde auch eine Religionsprüfung in Neustift in der Schule abgehalten. Der 15. Mai wird den Neustiftern in dauernder Erinnerung bleiben. Die Kirche und das Schulhaus wurden mit Girlanden festlich geschmückt. Auf dem Kirchenplatz wurde ein Transparent mit der Aufschrift “In Liebe dienen” aufgestellt. Das gesamte Arrangement lag

in den Händen des Chronisten. Mit Glockengeläute wurde der Kardinal um 2 Uhr nachmittags von der Schuljugend und der gesamten Bevölkerung vor der Kirche empfangen. Die beiden Schulkinder Blauensteiner Mitzi und Popek Gehard trugen zum Empfang ein Gedicht vor, das mit einem gemeinsamen “Grüß Gott” - von den Schulkindern gesprochen ausklang. Nach einer kurzen Andacht in der Kirche, richtete der Kardinal einige Worte an die Versammelten. Der Kirchenchor leistete beim Empfang des Kardinals sein Bestes. Anschließend fand die Religionsprüfung in der Schule statt. Der Kardinal war über die Leistungen der Kinder höchst erfreut. Eine kleine Jause beim Bürgermeister – wo auch der Kardinal zu Gaste war – beendete diesen Festtag für Neustift.“ 2b)



„Der Tag der UNO am 26. Juni 1946 war schulfrei. Gemeinsame Schulfeier.“ 2b)



„Gegen Ende November 1946 erlebte die Familie Franz Weiss, Neustift im Felde Nr. 15, einen ganz besonderen Freudentag. Von den 3 Söhnen ist der erste aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt.“ 2b)

„Landwirtschaftliche Fortbildungsschule: Bereits im Sommer 1946 besuchte der Schulleiter den vierwöchentlichen Lehrgang  für landwirtschaftliche Fortbildungsschulen in Wien.
Im Bezirk Kirchberg wurden über sein Betreiben die landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen in Kirchberg, Absdorf, Fels und Groß-Weikersdorf geschaffen. Als Leiter der landw. Schule in Kirchberg fungierte Alexander Popek selbst.
Aus der Gemeinde Neustift besuchten 4 Burschen und 3 Mädchen diesen
Lehrgang, der von November bis Mitte März dauerte.“ 2b)

„Am Ostermontag 1947 war nach langem wieder eine Hochzeit in der Ortskirche. Frl. Zehetner Anna verehelichte sich mit einem Bauernsohn aus Königsbrunn. Der Neustifter Kirchenchor trug besonders zum Gelingen dieser Feierlichkeit bei. Die vorgetragenen Lieder unter Leitung des Obl. Alexander Popek fanden allgemeine Anerkennung.“ 2b)

„Am Pfingstsonntag 1947 konnte Neustift eine besonders feierliche Hochzeit erleben. Die Tochter des Landw. Berthiller Leopold verehelichte sich mit dem Fleischhauersohn Karl Bauer aus Kirchberg, Bierbaum am Kleebühel. Neustift sah mehr Leute als bei jedem Kirtag. Die Darbietungen des Kirchenchores fanden ganz besondere Anerkennung. Die Trauung hielt Herr Pfarrer Pelzmann aus Kirchberg.“ 2b)

„Das Schuljahr 1947/48 begann durch das Auftreten der Kinderlähmung
erst am 29. September.
Um eine Weiterverbreitung dieser Krankheit zu verhüten, sah sich das Unterrichtsministerium veranlasst, den Schulbeginn um 3 Wochen hinauszuschieben.“ 2b)

„Abschied des bisherigen Schulleiters: Bereits im Herbst 1945 war es der Wunsch der Langenrohrer Bevölkerung, dass Oberlehrer Alex. Popek an seinen früheren Dienstort zurückkehren soll.“ 2b)

„Am 17. Okt. 1947 hat der prov. Lehrer Alfred Paßecker, bisher in Absdorf tätig, die Leitung der verwaisten Schule übernommen (BSR Tulln, Zl. VI-457/5 vom 10.7.47). Nach kurzer Lehrtätigkeit wurde er am 14.XI.47 bereits nach Utzenlaa versetzt ( BSR. Tulln, Zl. VI-400/8 vom 10.11.1947).“ 2b)



„Am 15. Nov. 1947 hat auf Grund der Weisungen des Bezirksschulrates Tulln (Zl. VI-400/8 v. 10.11.47) Herr Oberlehrer Piffl Ludwig die Leitung der Volksschule Neustift im Felde übernommen. Der Unterricht an der einklassigen Volksschule stellte den Lehrer in dieser Zeit vor harte Probleme. Die Schüler hatten Lernbehelfe nur sehr schlechte, oft ganz unmögliche Hefte. Es gab beinahe gar keine Federn und gar keine
Lehrbücher. Sehr schlimm stand es im Handarbeitsunterrichte.

Am 15.12.47 bekam die Schule eine Spende der Schweizer und diese bestand aus 50 dag Wolle, einigen Spulen Zwirn und einigen Strickgeräten. Damit konnte wider eine Zeit lang das Auslangen gefunden werden. Das Lehrzimmer befand sich in dieser Zeit in einem recht altertümlichen Zustande. Die Weihnachtsferien wurden nun dazu benutzt um alte, gebrechliche Einrichtungsgegenstände zu entfernen und Kasten und Tafeln so umzustellen, dass die Klasse etwas behaglicher wurde. Die Anschauungsbilder, die bisher auf dem Dachboden untergebracht waren und dort durch Staub und Regen sehr gelitten hatten, kamen in den alten Wandkasten auf dem Gange. In Neustift besteht kein Ortsschulrat.“ 2b)



„Mai 1948: Ein überaus starker Maikäferflug zwang zu eifriger
Sammeltätigkeit der Schüler und Ortsbewohner. Die Kastanienbäume und Eichenbäume waren kahl gefressen. Heuer machten sich auch die Maikäfer in den Weingärten an die Weinstöcke und verursachten große Schäden. Die Schulkinder sammelten insgesamt 165 kg Maikäfer.“ 2b)



„Heimatkalender 1949: Im ersten Halbjahre 1948 hatte die Lehrerschaft die heimatkundliche Stoffsammlung neu aufgestellt. Aus diesem Materiale ist ein heimatkundlicher Kalender geschaffen worden. Am 9.12.48 erschien der 1. Teil dieses Kalenders. Der Leiter dieser Schule hatte für diesen Kalender die beigeschlossene Übersichtskarte geschaffen.“ 2b)

„Am 10.9.1949 fand in Kirchberg ein Laienspiel: ” Das Spiel vor dem Tore” statt. Die treffliche Vorführung wurde auch von zahlreichen Neustiftern besucht.“ 2b)

„Die Schüler haben auf Grund des Aufrufes des JRK. die Dachböden und Schuppen entrümpelt und 332 kg Hadern u. 91 kg Knochen gesammelt, die der Altstoffsammlung zugeführt worden sind.“ 2b)

„Im Herbste 1949 erschien der 2. Teil des “Heimatkundlichen Kalenders”, der in der Form eines kleinen Brehm, die Tierwelt des Bezirkes aufzeigt.“ 2b)

„Am 29.10.1950 feierte unsere Schuldienerin, Frau Katharina Söllner, die seit 45 Jahren an der hiesigen Schule die wöchentlichen Reinigungen durchführt, das Fest der goldenen Hochzeit. Die kirchliche Feier fand in Altenwörth statt. Ein Lehrerchor, bestehend aus den Herren Direktor Friedrich Süß, Oberlehrer Ludwig Riediger, Oberlehrer Ludwig Piffl, Oberlehrer Engelberger, Oberlehrer Schneider, Oberlehrer Löffler und Lehrer Passecker sang das Lied: “ O schöner Tag, o Tag der Treue”. Vor der Kirche überbrachten namens der Gemeinde Kollersdorf Bürgermeister Reiser und von der Gemeinde Neustift Oberlehrer Piffl Glückwünsche und Ehrengaben. Vom Bezirksschulrat wurde ein Dank- und Anerkennungsschreiben für die lange Dienstleistung überreicht.“ 2b)

„Im Nov. 1950 erschien der 3. Band des Tullner Heimatkalenders. Dieser war der Mineralogie und Geologie des Bezirkes gewidmet. Mit zahlreichen Skizzen und Karten wurde das Werden unserer Donaulandschaft dargestellt. Nachdem der Leiter dieser Schule den geologischen Teil des Buches geschrieben hat, bekam die Schule Neustift eine Subvention des Landesschulrates für den Ankauf von Lehrmitteln(öS 150,--).“ 2b)

„31.12.1950: Tod des H. Bundespräsidenten Dr. Renner. Am 12.1. fand auch in der Schule eine kleine Trauerfeier statt.

Aus diesem Grunde wurde für den 6.5. die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes ausgeschrieben. Das Schulzimmer wurde Ortswahllokal. Von den Wahlwerbenden Kandidaten hatte aber im 1. Wahlgang keiner die nötige Stimmenanzahl auf sich vereinigt. Daher fand am 3.6. die 2. Wahl statt, bei der der bisherige Bürgermeister von Wien, Dr. Theodor Körner, die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Damit war er zum Bundespräsidenten gewählt. Und nun einige Daten aus den Wahlgängen in Neustift:

I. Wahlgang: 241 gültige Stimmen, davon fielen auf die Wahlwerber: Breitner 9 Stimmen, Fiala 11 Stimmen, Gleißner 117 Stimmen, Körner 50 Stimmen

II. Wahlgang: 243 gültige Stimmen, davon erhielt Gleißner 169 Stimmen, Körner 74 Stimmen.“ 2b)

„Am 11.4.51 beehrte der hochw. H. Kardinal Th. Innitzer die Gemeinde mit seinem Besuche und hielt die kanonische Visitation. Er wurde bei einer Ehrenpforte von der Gemeindevertretung, der Feuerwehr, den Schulkindern u. der Ortsbevölkerung erwartet und von Herrn Bürgermeister, dem Oberlehrer u. einem Schulkinde begrüßt. Bei der kurzen Andacht in der Filialkirche sang der Jugendchor ein 4stimmiges Lied. Nach der Religionsprüfung in der Schule reiste der Kardinal weiter.“ 2b)

„Der 15. Mai 1952 führte die Schüler der Mittel- u. Oberstufe in einer eintägigen Lehrfahrt mit dem Autobus der Firma Schauerhuber in das Semmeringgebiet. Die Fahrt führte über den Wienerwald nach Heiligenkreuz, Baden Wr. Neustadt – Semmering. Bei der Rückfahrt wurde Wien passiert. Viele Kinder sahen zum ersten Male die Großstadt. Nach dem Besuch der Stephanskirche wurde auch die Pummerin besichtigt, die kurz vorher von Linz nach Wien gebracht worden ist. Ganz Österreich hatte den Festzug an den Lautsprechern miterlebt. Für den Wiederaufbau des Stephansdomes haben auch unsere Schulkinder bei einer Haussammlung den Betrag von öS 713,-- zusammengetragen.“ 2b)

„Spiel- und Turnplatz Der Gemeinderat hat einen Teil der Gemeindeschottergrube als Spiel- und Turnplatz für die Dorfjugend zur Verfügung gestellt und wird diese Fläche durch Grenzsteine abstecken lassen.“ 2b)

„1952/1953: Kanalisation des Dorfes: Der eigenartige Boden von Neustift bringt es mit sich, dass die meisten Höfe tiefer liegen, als die Straße und das umliegende Terrain. Zur Regenzeit füllen sich die Höfe, die Misthaufen schwimmen im Wasser und die Brunnen haben elendes Trinkwasser. Die Dorfstraße selbst wird zur Regenzeit zu einem See und einem Kotmeer; zur Trockenzeit herrscht eine unglaubliche Staubplage. Um diesen Übelständen abzuhelfen, entschloss sich die Gemeinde unter der Führung des derzeitigen Bürgermeisters Franz Hofbauer zur Anlage einer Kanalisation. Herr Landesrat Waltner befürwortete das Vorhaben, das Landesbauamt entwarf den Plan und nahm die Vermessungen vor. Der Kanal dient vorwiegend zur Ableitung des Oberflächenwassers.

Er besteht aus einem Hauptkanal entlang der Hauptstraße und den nötigen Seitensträngen. Beim Milchkasino vereinigen sich die Kanäle, führen unter dem Hofe des Herrn Maringer hindurch. Von da führt ein Sammelkanal quer durch die Felder und mündet unterhalb des Niederwagram auf der “Stierwiesen”. Der Bau des Kanalnetzes stellt sich auf öS 420.000,-- und wird von der Baufirma Österreicher in Königsbrunn ausgeführt. Anlässlich des Kanalbaues gab es natürlich -wie immer- auch viele Nörgler.

Diese verstummten aber im Verlaufe des heurigen Sommers. Während früher nach heftigen Regengüssen die Ortschaft ein weiter See wurde und die Bauern tagelang mit dem Ausführen des Wassers beschäftigt waren, verschwanden heuer die Wassermassen nach kurzer Zeit in den Kanälen.

Gelegentlich des Kanalbaues war es nun auch möglich, in den Boden des
Ortes zu blicken. Neustift liegt auf einer weiten Schotterebene; das bestätigten auch die Grabungen.
Die Grabungen für den Hauptkanal förderten aber ein interessantes Bodenprofil zutage. Die weite Schotterflur wird von Mulden und Rinnen durchzogen, die wieder mit Humus, Sanden u. Löss ausgefüllt sind. Daraus ergibt sich eben die Unterschiedlichkeit des Bodens unserer Gemeinde.“ 2b)



Bild: Zeichnung von Prof Ludwig Piffl Schulchronik 2, Angegeben ist die Flur “Stierwiese”, möglicherweise der Weideplatz der im Dokument vom 1.1.1318 angeführten 16 Rinder..... / Foto: Andreas Nowotny

„Das vorwiegend trockene Wetter des Jahres 1953 war häufig von kurzen u. heftigen Gewittern unterbrochen. Am 27.7.1953 zog wieder ein drohendes Wetter von Westen her.

Bei einem außergewöhnlich heftigen Sturm prasselte ein Gewitterregen mit Hagel hernieder. Innerhalb kürzester Zeit waren die Kulturen vernichtet, Bäume entwurzelt und die Straßen ungangbar geworden. Die Weingärten im Wagramgebiet waren restlos vernichtet. Wenn auch das Gemeindegebiet von Neustift schon am Rande des Katastrophengebietes lag, so wurden doch die Weingärten unserer Bauern arg betroffen.

Die Zentren des Unwetters waren so sehr zerschlagen, dass die Leute nicht einmal Futter für ihre Kühe hatten. Wohl setzten sogleich verschiedene Hilfsaktionen ein, um den betroffenen Bauern über die ärgste Not zu helfen.“ 2b)

 

„Die Bezirksstraße Neustift – Kirchberg ist eine der belebtesten des Gerichtsbezirkes und hat seit Jahren dem neuzeitlichen Verkehr nicht mehr entsprochen. Diese Straße wurde im Sommer 1953 mit einer neu- zeitlichen Straßendecke versehen. Die Gemeinde Neustift hat für diesen Bau die Kosten der Schotterzufuhr im Betrage von öS 35.000,-- geleistet.“ 2b)

 

„Der Platz zwischen Schule und der Kirche, der allgemein Kaiserplatz
(nunmehr Luwig-Piffl-Platz)
genannt wird, ist in
der Woche vor Ostern 1954 umgestaltet worden. Eine Ligusterhecke mit einem Drahtgitter umgibt nun den Platz. In der Mitte desselben sind Rosen u. Sträucher gepflanzt worden. In einigen Jahren wird er ein schönes Bild bieten. Die Schulkinder haben die Pflege übernommen getreu dem Klassenspruche: Auch wir wollen in einem schönen Dorfe wohnen.“ 2b)

Dorfverschönerung: Hilda Wieser, Hermine Leuthner, Frieda Söllner, Waltraud Kohoutek und Christine Neiber pflegen die neue Anlage (jetzt******** Ludwig-Piffl-Platz ********) / Bild Schulchronik 2 / Foto: Andreas Nowotny

1954 : „In diesem Sommer sind die Donauländer von einer verheerenden
Hochwasserkatastrophe heimgesucht worden. Ungeheure Niederschläge im Gebiete der oberen Donau ließen die Nebenflüsse mächtig anschwellen. Diese Nachrichten ließen daher auch für unser Gebiet das schlimmste befürchten. Diesmal kam das Hochwasser nicht nur überraschend – die Leute konnten nicht an ein Hochwasser vom Ausmaß jenes des Jahres 1899 glauben – sondern zu einer Zeit, da das Donaufeld weit und breit ein wogendes Ährenfeld war und die Ernte unmittelbar bevorstand. Während die Fluten am 10.7. bereits das Auland restlos überflutet hatten, füllten sie am 12.7.1954 die Lahnen und Sutten, Graben und Mulden des Donaufeldes.



Lehrfahrt in den Dunkesteiner Wald vor der Ruine Aggstein / Bild Schulchronik 2 / Foto: Andreas Nowotny

Nun liefen viele und wollten retten, was noch zu retten war. Manchem gelang es, die eine oder andere Fuhre Klee, Heu, oder Getreide zu retten, doch musste er sich beeilen, denn das Wasser stieg zusehends und drohte den Leuten den Rückweg abzuschneiden. Am Dienstag den 13.7. war das ganze Donaufeld ein einziger See, der bis zum Niederwagram reichte. Bis zum letzten Augenblicke klammerten sich die Leute im benachbarten Winkl an ihr Hab und Gut und als sie endlich schweren Herzens sich entschließen mussten, dieses zu verlassen, waren sie von den Wogen umschlossen. Nun mangelte es an Schiffen, Kähnen, aber auch an Leuten, die mit solchen Fahrzeugen umgehen konnten. In dieser Not trafen die großen Schwimmwagen der Sowjetischen Besatzungsmacht ein. Mit diesen gelang es, Menschen und Tiere zu retten. Ohne ihre Hilfe wäre manches Vieh zugrunde gegangen. Menschen und Tiere wurden aus Winkl nach Neustift gebracht. Nun sind die Fluten zurückgegangen und die Leute in ihre durchnässten und verschlammten Häuser zurückgekehrt. Die Not ist groß, denn die Kartoffeläcker sind vollkommen u. die Zuckerrübenfelder zum Teil zugrunde gegangen. Das Getreide, das aus den verschlämmten Äckern geerntet wurde, ist sehr schlecht. Viele Bauern, die betroffen worden sind, bedürfen einer Hilfe. Sammlungen haben schon stattgefunden." 2b)



Hochwasser: Die Straße Neustift-Winkl am 13.07.1954 / Bild Schulchronik 2 / Foto: Andreas Nowotny

10.7. bereits das Auland restlos überflutet hatten, füllten sie am 12.7.1954 die Lahnen und Sutten, Graben und Mulden des Donaufeldes. "2b)

Der Niederwagram am 13.07.1954 / Bild Schulchronik 2 / Foto: Andreas Nowotny

„Am 25.4.1955 fand auch in unserer Gemeinde die vorgesehene Gemeinderatswahl statt. Von 221 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf die Österreichische Volkspartei 120, für die Sozialistische Partei 29, für die Volksopposition 15 und für die Wirtschaftspartei 57 Stimmen.“ 2b)

„Im Rahmen eines größeren Volksfestes wurde zu Pfingsten 1955 eine
neue
Motorspritze und ein neuer Mannschaftswagen für die Feuerwehr eingeweiht.“ 2b)

Österreich ist frei! Am 25.10.1955 wurde der Tag der Flagge auch in unserem Orte festlich begangen. Nach einem Gottesdienst in der hiesigen Ortskirche fand im Schulhause die Feier statt. Vorher wurde vor dem Hause die Flagge feierlich gehisst. Zugegen waren der H. Bürgermeister mit sämtlichen Gemeinderäten, der H. Kaplan, die Elternschaft, der Kirchenchor und jene Burschen und Mädl, die in den letzten 10 Jahren aus der Schule ausgetreten sind. Nach dem Einleitungsliede sprach der Leiter der Schule über die Bedeutung des Tages. Mit dem Fahnenschwur, einem Gedichte und der Bundeshymne schloss die schöne Feier. Nun ist Österreich frei von aller fremden Bevormundung und soll sich als neuer Staat entwickeln. Gottes Sonne scheine nun in Frieden auf ein glücklich Österreich.“ 2b)

„Am 15. Mai 1956 gab es im Dorfe ein wahres Freudenfest. Herr
Schmit Michael
konnte mit
seiner Frau im Kreise einer großen Verwandtschaft die Goldene Hochzeit feiern. Die Gemeinde, der Vertreter der Bezirkshauptmannschaft und die Dorfbewohner hatten zusammengewirkt, um das Fest würdig zu gestalten.“ 2b)

„Am 26.10.1956 konnte der Tag der österreichischen Flagge im
freien Österreich
festlich begangen werden. Zur Schulfeier waren erschienen der Herr Bürgermeister mit dem gesamten Gemeinderat und mehrere Eltern. Die Festfolge war: 1. Lied: Kein schöner Land, 2. Festspruch. 3. Ansprache des Leiters, 4. Schwur der Jugend, 5.
Österreichische Bundeshymne. Anlässlich dieses Tages hatten etwa 30 %der Häuser geflaggt.“
2b)

 

„Am 4.1.1957 starb ganz unerwartet der Herr Bundespräsident
Dr. Theodor Körner,
der in allen Kreisen der österreichischen Bevölkerung beliebt und geachtet war. Aus diesem Anlass fand
auch in dieser Schule im Beisein des Gemeinderates und der Elternschaft
eine Trauerfeier
statt.“ 2b)

 

Wahl: Nach dem Hinscheiden des letzten Bundespräsidenten hat die
österreichischen
Bundesregierung für den 5.5.1957 die Neuwahl ausgeschieden und 2 Kandidaten sind für diese Wahl nominiert worden: Herr Univ. Prof. Dr. Denk für die Bürgerliche Gruppen und Herr Vizekanzler Dr. Schärf für den sozialistischen Wahlblock. Bei
der Wahl, die vollkommen ruhig verlaufen ist, wurde Herr Dr. Schärf mit
Stimmenmehrheit gewählt.

Wie in anderen Orten ist auch in Neustift eine Tiefkühlanlage errichtet
worden. Die
vorteilhafte Anlage begegnete auch in N. geteilter Aufnahme. Nach langem Hin und Her ist die Tiefkühlanlage in einer schönen Gemeinschaftsarbeit in der einstigen Wagenremise des Milchhauses errichtet worden. Diese Anlage ist im Aug. 1957 vergrößert worden.“ 2b)

„Im Verlauf des Sommers 1957 ist im Orte eine Brückenwaage gebaut
worden, um auch
das Verwiegen der Zuckerrüben im Orte ausführen zu können. Gegen dieses Projekt ist der Leiter der Schule von allem Anfange an gewesen, weil dann zur Zeit der Rübenernte eine empfindliche Störung des Unterrichtsbetriebes zu erwarten war. Alles nützte nicht die Wirtschaft war letztlich die stärkere.“ 2b)

 

Brand: Am 20.9.1957 brannten Scheune und Schuppen des
Landwirtes Söllner Johann,
Neustift Nr. 3 nieder. Die Brandursache konnte leider nicht geklärt werden.“ 2b)



„Am Pfingstmontag, den 26.5. 1958 feierten die Neustifter den 50jährigen
Bestand
ihrer
Feuerwehr. Gleichzeitig gab es neue Errungenschaften entsprechend zu würdigen und verdiente Männer zu ehren. Nach dem Gottesdienste in der Filialkirche verlieh Hochwürden Pfarrer Rudolf Koriska aus Kirchberg dem Schlauchturme, der Gemeindekanzlei und

der Tiefkühlanlage die kirchliche Weihe. Einem kurzen Gedenken vor dem Kriegerdenkmal folgte auf dem Kaiserplatz /nunmehr; Ludwig-Piffl-Platz) eine Festversammlung. Bei dieser ist Herr Bürgermeister Franz Hofbauer, der sich um den Aufbau der Feuerwehr große Verdienste erworben hatte, die Urkunde als Ehrenmitglied überreicht worden.

Herr Landesrat J. Waltner, der wiederholt der Gemeinde helfend
und beratend zur Seite
gestanden war, wurde Ehrenbürger von Neustift. Ihm wurde unter dem Beifall der Festversammlung eine sinnige Ehrenbürgerurkunde überreicht.“ 2b)

„Der skandalöse Zustand der Dorfstraße und die damit verbundene
Staub- und
Kotplage veranlasste den Leiter der Schule, die Angelegenheit an höherer Stelle zu betreiben. Aus diesem Grunde sprachen der Leiter der Schule und der Obmann des Schulausschusses bei Herrn Landesrat Waltner vor und baten um Abhilfe. Diesem Ansuchen konnte sich auch der Straßenausschuss nicht verschließen und so begannen am 8.10. große Maschinen mit dem Straßenbau. Innerhalb kurzer Zeit war die Straße aufgerissen, gegrädert, Schotter herbeigeschafft und eingewalzen. Im Frühjahr darauf bekam die Straße noch eine Makadamdecke. Seither ist die Straße in Ordnung. Es ist schade, dass dem ewigen Drängen der Schulleitung nicht schon früher entsprochen worden ist. Die Bevölkerung hätte sich viel Staub und Ärger erspart.“ 2b)

„Durch die reiche Obsternte im Herbst 1958 beteiligten sich die
Kinder an einer
Obstaktion des Jugendrotkreuzes. 75 kg Äpfel und Birnen wurden gesammelt und am 5.10.58 in 2 Kisten verpackt an die Gebirgsschule Steinberg in Tirol abgeschickt. Bald darauf langten Briefe der dortigen Schulleitung und der Schulkinder
ein.“
2b)

 

„Am 5.Mai 1959 ? fanden die Nationalratswahlen statt.
Gleichzeitig erfolgten auch die
Wahlen in den niederösterreichischen Landtag. Für Neustift ergab sich folgendes Abstimmungsergebnis:

Österreichische Volkspartei 163 Stimmen, Sozialistische Partei 33
Stimmen, Kommunisten 9 Stimmen.“
2b)

 

1959 Wasserleitung: Um die Versorgung der Dörfer um Neustift mit
Wasser zu
ermöglichen, sollte von Neustift ausgehend eine Wasserleitung angelegt werden. Zu diesem Zwecke wurde am Dörflerweg ein Brunnen angelegt. Die Probebohrungen ergaben einen sehr guten Wasserzulauf. Nun soll von dort aus eine Wasserleitung angelegt werden.



Der Brunnen für die Wasserleitung wird angelegt / Bild Schulchronik 2 / Foto: Andreas Nowotny

7.9.1959 Die Schulchronik 3 wurde von Oberschulrat Ludwig Piffl
begonnen.

In der Folge die wichtigsten Eintragungen:

„Am 26.10.1959 wurde abermals der Tag der österreichischen Fahne
gefeiert.

Auch in Neustift sind heuer (1959) erstmalig Dorfabende abgehalten worden. Die Vorbereitungen trafen Herr Bürgermeister Hofbauer, Herr Gemeinderat Berthiller und Herr Oberschulrat Piffl.

Die ersten Abende waren der engeren Heimat gewidmet. Referent war Herr Oberschulrat Piffl. 1. Dorfabend: Unser Wagram und die Zeit seiner Entstehung. 2. Dorfabend: Vom Haleberg bis zum Pestkreuz. Die weiteren Abende führten in die weite Welt. 3. Dorfabend: Eine Reise nach England (H. Emmerich Schierhuber erzählte an Hand zahlreicher Farbbilder. 4. Dorfabend: China, gestern heute, morgen. Herr Dir. Gruber sprach über die Probleme des volkreichsten Landes der Erde. Die Abende waren durchwegs gut besucht.

1960: Die Mechanisierung der Landwirtschaft hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. Zählte man 1955 noch 40 Pferde und 3 Traktoren, so sind 1960 bereits 35 Traktoren, aber nur mehr 7 Pferde im Orte. Die nächste Folge ist die Zusammenlegung der Felder zu großen Wirtschaftsflächen. Mit dieser Arbeit wird 1960 auch in Neustift begonnen werden.

 

Am 19.4.60 feierte Frau Schmit Anna das 90. Geburtstagsfest und war an diesem Tage Mittelpunkt einer kleinen Ehrung. Die Gemeinde lud die Jubilarin zu einer Festjause ein, bei der ihr auch ein Ehrengeschenk des Landes Niederösterreich und ein solches der Gemeinde Neustift überreicht worden ist.

Die Gemeinderatswahl fand am 10.4.1960 statt. In Neustift gab es folgendes Wahlergebnis: Wahlberechtigte: 226; Abgegebene gültige Stimmen: 210, davon entfielen auf die Österr. Volkspartei 176 Stimmen, auf die Sozial. Partei 19 Stimmen. Auf die Kommunisten, Linkssozialisten 15 Stimmen.

Der neugewählte Gemeinderat wählte in seiner 1. Sitzung am 28. April
1960 Herrn
Leopold Berthiller zum Bürgermeister und Herrn Zehetner Rudolf zum Vizebürgermeister. In Gegenwart des Herrn Bürgermeisters Berthiller und des Gemeinderates wurde am 15.5.1960 der 5. Jahrestag der Unabhängigkeit Österreichs gefeiert.

Im Mai 1960 erschien der 8. Band des Tullner Heimatkalenders. Er ist mit einem Register über alle 8 Bände des Werkes versehen. Damit findet das Gemeinschaftswerk der Lehrerschaft des Bezirkes seinen Abschluss.

 

1960: Mit dem Bau der Ringwasserleitung wurde 1959 begonnen. Mit mächtigen Maschinen wurde in überraschend kurzer Zeit der Rohrstrang durch das Dorf gebaut. Tagelang dröhnten die Maschinen und haushoch häuften sich die Berge von Erde. Aufgrund der letzten Wahlen in den Gemeinderat fand auch eine Neuwahl des Volksschulausschusses statt. Gewählt wurde Herr Walzer Franz zum Obmann.

Die Gemeinde hat den Grund, auf dem sich der ehemalige Schulgarten
befand, an Herrn
Knapp verkauft und dafür die sogenannte Halterwiese für einen Jugendspielplatz zur Verfügung gestellt und in den Ferien denselben durch einen Drahtzaun gegen die Bezirksstraße hin anschirmen zu lassen.

Winterwetter 1960-61: Der Winter war im Allgemeinen milde, doch am 14.Februar zeigte das Thermometer bei-14° C. Beim ersten Tauwetter entdeckte man, dass diese wenigen kalten Tage genügt hatten, dass die Straße an 2 Stellen total aufgefroren war und kaum mehr befahrbar war.



1961: 21.3.: Die NÖ. Landesregierung hat Herrn Altbürgermeister Franz Hofbauer, der seit1945 das Amt eines Bürgermeisters geführt hat, das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich verliehen. Samstag den 5.8.61 abends wollte der 7jährige Schüler Peter K. hinter einem parkenden LKW die Dorfstraße überqueren und lief in einen vorbeifahrenden PKW. Der Bub wurde dabei am linken Oberarm so schwer verletzt, dass ihm im Krankenhaus Tulln der linke Oberarm amputiert werden musste. Straßenbau: Die Schulleitung hat die Behörden wiederholt auf die unmöglichen Straßenverhältnisse in Neustift verwiesen. Weil nun unterdessen die Straßendecke durch den letzten strengen Winter neuerlich aufriss, entschloss sich die Gemeinde zu einem Neubau. Ende August wurden Randsteine verlegt und im September 1961 - leider ‘während der Schulzeit – die Straße umgebaut und mit einer Makadamdecke versehen. Nun ist die Straße staubfrei gemacht worden und ein Wunsch der Schulleitung in Erfüllung gegangen.

Grundzusammenlegung: Über 1 Jahr wurde gearbeitet um die Grundstücke zusammenzulegen. Bis Ende September 1961 war nach mancherlei Auseinandersetzungen die Zusammenlegung gelungen und am 1.11. konnten die Bauern ihre neuen Grundstücke übernehmen. Die Ortsflur wurde grundlegend verändert. Die alten Feldwege verschwanden und wurden durch neue Güterwegs ersetzt.

 

1962: Ortsdurchfahrt Die neue Ortsdurchfahrt ist stellenweise aus schlechtem Material gemacht worden. Mit Ende der kalten Jahreszeit musste ein Großteil der Straßendecke erneuert werden. Gleichzeitig wurde auch der Gehsteig vor der Schule makadamisiert. Vor der Schule wurde das Schutzgitter aufgestellt.

 

Dorfbildungswoche: Wie alljährlich fand auch in diesem Winter eine Dorfbildungswoche statt. Die Themen waren: Dr. Machala: Modernes Wohnen auf dem Lande (6.2.62); Dir. Gruber: Weg zum einigen Europa (8.2.62); Oberlehrer Plank: Wunder am Wegesrand (13.2.62); DDr. Beer: Gesünder leben – länger leben (15.2.62). Die 4 Abende waren von 384 Personen besucht worden.

 

Landschaftsführer: Seit Jahren ist das Material für einen Führer durch die heimatliche Landschaft von der Lehrerschaft des Bezirkes zusammengetragen worden. Nun konnte in diesem Winter mit der Drucklegung begonnen werden. Der Leiter dieser Schule hatte die Herausgabe des Buches zu besorgen. Am 15.3.1962 konnte das erste
Exemplar dem Herrn Bezirksschulinspektor überreicht werden. Das Buch soll Lehrern und Schülern ein
Führer durch die Stadt Tulln und die Tullner Landschaft sein. Die allgemeine Aufnahme und Beurteilung des Buches war gut. 

Am 15.5.1962 wurde der Tag des Staatsvertrages durch ein Freudenfeuer
auf dem
Haleberg gefeiert. Herr OSR. Ludwig Piffl hielt dabei die Festrede. Das Ortssingen fand am 28.6.62 in Verbindung mit einer
Schulschlussfeier statt.

Ringwasserleitung: Im Verlaufe dieses Schuljahres sind nun beinahe alle Haushalte unseres Dorfes an die neue Ringwasserleitung angeschlossen worden. Die Bevölkerung hat es den Bemühungen des zuständigen Mandatars Herrn Landesrat Waltner zu verdanken, wenn sie heute mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt ist.

 

Nationalratswahl: Am 7. Oktober 1962 erfolgte eine neue Wahl in den Nationalrat. Das Ergebnis für Neustift war: Wahlberechtigte: 222; Ungültige Stimmen: 2; Stimmen für SPÖ: 28; ÖVP 177; KPÖ 4; EFP 1



Bundespräsidentenwahl: Am 28. April 1963 fand die Wahl eines neuen Bundespräsidenten statt. In Neustift waren 225 wahlberechtigt, 2 Stimmen
waren ungültig;
für den Kandidaten Kimmel stimmte 1 Person, für Raab 164 und für Schärf 56. Nach dem Stimmenverhältnis im Bundesstaate wurde Dr. Schärf neuerlich zum Bundespräsidenten gewählt.



1964: Dorfbildungsabende Auch in diesem Winter fanden am 27. u. 28. 1. wie auch am 3. u. 4.2.1964 gut besuchte Dorfbildungsabende statt.

 

Todesfall: Am 15.3.1964 starb die kleine Inge B. an den Folgen einer

Lungenentzündung. Die Schulkinder und eine große Trauergemeinde gaben der kleinen Schülerin das letzte Geleit. Im Gotteshause zu Kirchberg hielt Herr Geistl. Rat Rudolf Koriska einen tiefempfundenen Nachruf zum Troste der schwergeprüften Eltern.

 

Priesterjubiläum: Am 11.u.12.7.64 stand ganz Kirchberg im Zeichen besonderer Feierlichkeiten. Hochw. Herr Geistl. Rat Rudolf Koriska feierte sein 25jähr. Priesterjubiläum, den 50. Geburtstag und das 10jährige Wirken in dieser Pfarre. Die große Anteilnahme bewies, welch hohes Maß an Liebe und aufrichtiger Verehrung ihm allseits entgegengebracht wird.

 

Landtagswahl: Am 25. Oktober fand die Wahl zum nö. Landtag statt. In Neustift wurden 175 Stimmen für die ÖVP und 36 Stimmen für die SPÖ abgegeben.

 

Gutes Jahr: Das heurige Jahr war in jeder Hinsicht ein gutes Jahr. Daher sammelten die Kinder 54 kg Äpfel und sandten sie der Gebirgsschule Trübenbach.

 

1965: Dorfbildungsabende: In diesem Winter fanden 2 Dorfbildungs-abende statt. Die Themen waren USA, das Land der Gegensätze und Unfallverhütung im Bauerndorf. Beide Vorträge mit Lichtbildern waren recht interessant.

 

BP. Dr. Schärf verstorben: Nach kurzem Leiden starb am 12.1.65 der Herr Bundespräsident Dr. Adolf Schärf. Durch seine konziliante Art war er bei allen Staatsbürgern hoch geachtet.

 

Die Gemeinderatswahlen 1965 brachten für Neustift folgende Stimmenverteilung: ÖVP 155 Stimmen, SPÖ 52 Stimmen.

 

In der Gemeinderatswahl wurde der bisherige Bürgermeister Leopold Berthiller einstimmig wiedergewählt.

 

Gedenkfeier: Anlässlich der Feiern zur 20. Wiederkehr der Befreiung Österreichs fand auch in Neustift eine Gedenkfeier statt. Nach einem Festgottesdienst in der Filialkirche, einer Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal fand in der Schule eine würdige Gedenkfeier statt.

 

Dorfsingen: Am 27.6.1965 wurde ein Dorfsingen durchgeführt. Neben dem Hr. Bürgermeister, dem Hr. Obmann des Schulabschluss, den Hrn. Gemeinderäten fanden sich gegen 70 Zuhörer im Lehrzimmer ein. Das Singen stand unter dem Motto “Die 4 Jahreszeiten in Lied und Dichtung”. Die Vorführung gefiel recht gut. Leider herrschte an diesem Tag eine drückende Hitze.

 

Windschutzgürtel: Im Zuge der Kommassierung wurden alle Feldraine entfernt, auch die Sträucher u. Bäume wurden ausgerissen. Um in der nun Tischgleichen und baumlosen Ebene den Wind zu bremsen, wurden im Frühjahr 1964 Windschutzgürtel angelegt. Nun stehen sie schon das zweite Jahr und verändern ganz gewaltig das Landschaftsbild.

 

Quellenverzeichnis, sofern Quelle nicht direkt angeführt:

 

1) Schulchronik 1, begonnen im Jahre 1880 vom damaligen Leiter der Volksschule in Neustift im Felde, Ludwig Marzani und weitergeführt von den jeweiligen Leitern der Schule.

 

2a) Schulchronik 2, Teil Geschichte, verfasst 1933 vom
damaligen Leiter der
Volksschule in Neustift im Felde, Adalbert Hirsch dem Jüngeren

 

2b) Schulchronik 2, Teil Tagesgeschehen, begonnen 1933 vom
damaligen Leiter der
Volksschule in Neustift im Felde, Adalbert Hirsch dem Jüngeren) und weitergeführt von den jeweiligen Leitern der Schule.

 

3) Schulchronik 3, begonnen am 7.9.1959 vom damaligen Leiter der
Volksschule in
Neustift im Felde, Oberschulrat (später Professor. hc.) Ludwig Piffl.

 

4) Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, Prof. Dr.
Richard Hübl

 

5)„Ein Heimatbuch von Wilhelm Simlinger“:

Die Texte in Kursivschrift sind die jeweiligen Abschriften aus
den jeweils genannten

 

Quellen (Dokumenten, Chroniken, Büchern, etc.).

Quelle: Andreas Nowotny





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